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Verhältnis zwischen dem Sauerstoffangebot im Blut und dem Bedarf des Gewebes führt schließlich zu den Verlaufsformen der koronaren Herzkrankheit: Herzinfarkt, Herzenge (Angina pectoris) und plötzlicher Herztod.

Erst die Kenntnis dieser Details hat in den Vereinigten Staaten zu zwei der spektakulärsten Unternehmen in der neueren Geschichte der Medizin geführt. Sie wurden unter den Begriffen "Coronary Primary Prevention Trial" (kurz CPP; deutsch: "Versuch zur Vermeidung koronarer Herzkrankheiten") und "Consensus Development Conference" ("Konsensus-Konferenz") bekannt.

Die CPP-Studie erbrachte den zweifelsfreien Nachweis, daß die Senkung hoher Cholesterinwerte im Blut durch Diät und einen Blutfettsenker (Cholestyramin; Handelsname hierzulande: "Quantalan") die Rate tödlicher und nicht-tödlicher Herzinfarkte senkt. Außerdem fanden die Forscher auch einen Rückgang der weit verbreiteten Herzbeschwerden (Angina pectoris) und eine Abnahme bestimmter Herzoperationen ("Bypass") von 21 Prozent.

Wichtigste Einzelergebnisse der fast 400 Millionen Mark teuren Mammutstudie, bei der 436 679 Amerikaner aufwendige Voruntersuchungen passierten und 3806 Freiwillige letztlich den strengen Kriterien genügten:

  • Jedes Prozent weniger Cholesterin im Blut der Versuchspersonen senkte, statistisch gesehen, die Herzinfarktrate um zwei Prozent.
  • Wurde Cholestyramin eingenommen, sank das Risiko, an einem Koronarleiden zu sterben, um 19 Prozent; wurde unter intensiver Behandlung der Spiegel gar um 25 Prozent gesenkt, minderte sich das Koronar-Krankheitsrisiko gar um knapp 40 Prozent.
  • Blutfettsenker hemmen nicht nur die Aufnahme von Cholesterin und Gallensäuren aus dem Darmtrakt. Sie bewirken zudem, daß die Aktivität der von Brown und Goldstein entdeckten LDL-Rezeptoren angeregt wird.

Diese dramatischen Resultate wurden letztes Jahr der Öffentlichkeit präsentiert (siehe ZEIT Nr. 11/1984). Im Dezember 1984 zog dann ein 14köpfiges Gremium der Nationalen Gesundheitsinstitute der Vereinigten Staaten, die "Konsensus-Konferenz", in Washington aus den neuen Erkenntnissen drastische Schlüsse: