Polizeibeamte, die nach Erreichen der Altersgrenze aus dem Dienst scheiden, müssen aus diesem Anlaß ihre Uniform an den Nagel hängen. So ist es Praxis, und so geschieht es nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Bundesländern. Doch neuerdings gibt es Ausnahmen. So wollte der Chef einer Berliner Polizeidirektion, der vor kurzem in den Ruhestand trat, keineswegs auf die drei Sterne verzichten, die ihn als leitenden Polizeidirektor kenntlich machten, und an höchster Stelle entsprach man seinem Wunsch.

Nun darf der Pensionär bei repräsentativen Anlässen aller Art den Zauber der Montur verbreiten: erlaubt ist ihm in Uniform die Teilnahme an für die Polizei bedeutsamen Veranstaltungen, an Dienstjubiläen, Familienfeiern sowie Trauerfeiern für ehemalige Kollegen. So jedenfalls steht es in einer Anweisung, die der Innensenator jetzt auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Maerz bekanntgab. Der Parlamentarier hatte eine Gefälligkeitsentscheidung gewittert und mißtrauisch nachgehakt.

Dies aber ließ sich Lummer nicht gefallen und setzte der Antwort, die gestern veröffentlicht wurde, eine Einleitung voran. Dem Senat liege daran, das "Bekenntnis zur Uniform und die damit zum Ausdruck kommende positive Haltung zum Staat" zu fördern. Im übrigen knüpfe die Entscheidung an "ursprünglich preußische Traditionen" an, die der Senat gern weiterführe, heißt es dort.

Dann werden also demnächst Polizeibeamte aller Art ihre mit Ruhestandsstreifen geschmückte Uniform vorführen? Keineswegs. Denn es gibt lediglich "zwei Einzelfallregelungen außerhalb der Vorschriften und ohne präjudizierende Wirkungen", sagt der Senator weiter. Hält er das für preußisch?

Aus dem Tagesspiegel, mt