Threm Wesen nach sind alle Menschen gleich. AWir alle sind Teil des Einen; wir aUe sind das Eine. Deshalb sollte es eigentlich keinen Unterschied machen, wen ich Gebe. Die Liebe sollte im wesentlichen ein Akt des Willens, des Entschlusses sein, mein Leben völlig an das eines anderen Menschen zu binden. Tatsächlich steht diese Vorstellung hinter der Idee von der Unauflöslichkeit der Ehe, wie auch hinter den vielen Formen der traditionellen Ehe, wo die beiden Partner sich nicht selbst wählen, sondern füreinander ausgesucht werden - und wo man trotzdem von ihnen erwartet, daß sie einander lieben. In unserer gegenwärtigen westlichen Kultur scheint uns diese Idee völlig abwegig. Wir halten die Liebe für das Resultat einer spontanen emotionalen Reaktion, in der wir plötzlich von einem unwiderstehlichen Gefühl erfaßt werden. Bei dieser Auffassung berücksichtigt man nur die Besonderheiten der beiden Betroffenen und nicht die Tatsache, daß alle Männer ein Teil Adams und alle Frauen ein Teil Evas sind. Man übersieht einen wesentlichen Faktor in der erotischen Liebe - den Willen. Jemanden zu lieben ist nicht nur ein starkes Gefühl, es ist auch eine Entscheidüng, ein Urteil, ein Versprechen. Wäre die Liebe nur ein Gefühl, so könnte sie nicht die Grundlage für das Versprechen sein, sich für immer zu lieben. Ein Gefühl kommt und kann auch wieder verschwinden. Wie kann ich behaupten, die Liebe werde ewig dauern, wenn nicht mein Urteilsvermögen und meine Entschlußkraft beteiligt sind?"

"lATir idealisieren unseren Mann oder unsere W Frau, unseren Geliebten oder die Geliebte. Dadurch brauchen wir dem anderen, wirklichen Menschen nie nahekommen, nur dem erträumten. Und eines Tages verlieren wir unsere Bewunderung. Der andere hat uns enttäuscht. Das ist der Trick, um uns nie in eine enge Verbundenheit zu verlieren, wie wir sie alle vor langer Zeit in unserer Kindheit erfuhren. Damals getrauten wir uns noch, unsere Hilflosigkeit zuzslassen, wurden dann aber oft ausgenützt. In dieser Erfahrung stecken der Schmerz und die Wunde, derentwegen wir unseren wirklichen Bedürfnissen nach Liebe und Nähe ausweichen. Wären wir uns dessen bewußt, so müßten wir uns mit dem Selbst, das auf Macht zielt, konfrontieren. Statt dessen idealisieren wir, wiegen ms im Glauben, zu bewundern und zu lieben, und halten uns gegenseitig auf Armeslänge fern. In dem Ausmaß, in dem wir andere zu unseren Bewunderern machen, geben wir ihnen Macht über uns. Und so spielen Männer mit Frauen und Frauen mit Männern. Jeder wird durch sich selbst zum Schiedsrichter der Stärke des anderen. Jeder besitzt Macht, obwohl jeder sich unfähig fühlt, sein eigenes Leben zu leben. Was sich uns so darbietet, ist der Anblick einer Jagd von Männern auf Frauen und von Frauen auf Männer, alle auf der Suche nach einer halluanderen, weil er sich in des anderen Gewalt fühlt "