Die Erleichterung der Funktionäre ist offenkundig. Mehr Mitglieder als erwartet folgten in der vergangenen Woche dem Ruf ihrer Gewerkschaften, um gegen die arbeitnehmerfeindliche Politik der Bundesregierung zu protestieren. Ein Erfolg also auf der ganzen Linie? Ganz so ist es wohl nicht. Zum einen nutzte die Regierung geschickt die Chance, die Vorwürfe der Arbeitnehmervertreter werbewirksam zu konterkarieren. Zum anderen sind die aktuellen Probleme zwischen Regierung und Gewerkschaften keineswegs vom Tisch. Kaum ist der Pulverdampf verraucht, gehen die Freien Demokraten schon wieder in Stellung. In der ersten Novemberwoche wollen sie nun die Gesetzesinitiative zur Sicherstellung der Neutralitätspflicht der Bundesanstalt für Arbeit in Arbeitskämpfen einbringen.

Der Bundeskanzler und sein Arbeitsminister beobachten den Tatendrang der Liberalen mit Skepsis. Sie würden den neuerlichen heftigen Konflikt mit den Gewerkschaften - zumindest bis zur nächsten Wahl - gern vermeiden. Ob ihnen das gelingt, ob es ihnen überhaupt noch immer sinnvoll erscheint, ist zu bezweifeln. Denn die starken Sprüche der vergangenen Woche könnten die Verbündeten der Gewerkschaften inzwischen in die Arme ihrer Widersacher getrieben haben. Der Erfolg der Aktionswoche wäre damit höchst zweifelhaft geworden.