Er führt ja glatt ein Doppelleben. In Paris zum Beispiel hat er es gut. Da kann er unerkannt im Trenchcoat über die Straße gehen, ohne daß ihm jemand gleich einen dieser witzigen Sprüche an der nächsten Bar abverlangen würde. Auch braucht er nicht immer mit den Frauen so charmant zu sein, all das nicht. Zu Hause ist der schmale junge Mann mit der dunklen Hornbrille ein nicht näher personifiziertes Mitglied einer außerordentlich erfolgreichen Unternehmer Familie. Und wie die Hennessys im einzelnen heißen, ist dort über den Kreis von Eingeweihten hinaus überhaupt nicht bekannt. "In Frankreich", sagt Gilles Hennessy, "würde ich diese Art der Werbung nicht machen Da wäre sein Privatleben doch arg berührt.

Bei uns ist nun alles ganz anders. Da kennen wir ihn. Da ist er uns vertraut als Mann von Welt und plaudernder RumJetter. Wo er auftritt, sind die schönsten Frauen, die besten Köche und die fernöstlichsten Geschäftspartner mit sprühender Laune und einem Spruch zur Steile Überhaupt führt er uns in ganzen Anzeigenserien großer Blätter vor, wie vielfältig und entspannt dieses Dasein ist, wenn man nur Cognac trinkt - seinen Cognac.

Wie kommt er sich vor in der Rolle des Monsieur Hennessy? Zu Anfang habe er sich nicht besonders wohl gefühlt so allein und etwas steif vor der Kamera, sagt der eher zurückhaltende junge Mann im korrekten Anzug und muß dabei die Stimme etwas heben, denn im Champagnerzelt sind die Leute gewohnt, sich aufwendig zu begrüßen. Aber seit er dabei Gesellschaft nabe, gehe es besser. Im übrigen ist hier ein Profi am Werk: "Die Photos nehmen jetzt immer weniger Zeit in Anspruch - man beginnt, sein Metier zu lernen "Gibt es den überhaupt?" und "Ist er das wirklich?" fragten sich Leser vor gut drei Jahren beim Anblick eines unbekannten jungen Mannes auf ganzseitigen Werbephotos, der ohne rechten Grund im Smoking vor einem Schloß stand und guckte - vor seinem Schloß. Sie fragten so, wie halt Leute fragen, wenn ein Firmenname, der lange im Hinterkopf schlummerte, plötzlich als lebendige Person daherkommt. Und natürlich war genau diese kleine Irritation, dieses Moment der Überraschung, geplant und gut, gut fürs Geschäft.

"Es hat anderthalb Jahre gedauert", weiß Gilles Hennessy von den Werbemenschen, die immer alles wissen, "bis die Persönlichkeit glaubhaft war, bis die Leute nicht mehr dachten, es handele sich um ein Photomodell "

Es stimmt also. Er stammt von jenem irischen Hauptmann ab, der vor gut zweihundert Jahren, durch die Kriegswirren in die Charente verschlagen, entdeckte, wie prima es sich mit den Bränden seiner neuen Heimat handeln ließ. Den possessiven Wortgebrauch des Nachkommen freilich, die schöne Formulierung von "seinem Cognac", sollte man so total wörtlich nun auch wieder nicht nehmen. Dazu ist der Laden zu groß:

Der Pariser Luxuskonzern Moet Hennessy, um dessen Geschäfte es hier geht, verkauft im ganz großen Stil nicht nur Spirituosen, sondern auch Champagner und Weine, Kosmetika, Parfüms und Produkte der Biotechnologie. Die Familie Hennessy besitzt Anteile an dem Konzern, und so möchten wir die Frage stellen, die uns berührt, wenn einer so als Fahnenträger vornwegläuft: Ist er tatsächlich der einzige Nachfolger, der Familienerbe schlechthin? Ach nein, Gilles Hennessy hat einen Bruder, einen jüngeren Bruder "Aber der", sagt er, "macht etwas ganz anderes, der arbeitet nicht im Unternehmen "

Er selber hat indessen "immer gewußt, daß es das war, was ich machen wollte". Nach Lehrzeiten bei einer Londoner Bank und einer französischen Werbeagentur hat er einige Jahre lang als Marketingchef in der Pariser Zentrale des Konzerns gearbeitet.