Ach, Sie waren in Australien, wie ist es denn dort so?", werden wir ständig gefragt. Also gut, fangen wir bei der Wirtschaft an. Immer noch wartet man "dort unten"

auf einen kräftigen Aufschwung, der auch die hohen Arbeitslosenzahlen verringern würde. Auch das Haushaltsdefizit muß durch Sparmaßnahmen reduziert werden. Die Unternehmer klagen über zu hohe Steuern und Lohnkosten.

Die Gewerkschaften fordern höhere Löhne und weniger Arbeitszeit. Viel Arbeitslust konnten wir nicht feststellen; von den Verkäuferinnen wurden wir meist als Belästigung empfunden. Wegen der Sorge um die Arbeitsplätze nimmt die Animosität gegen eingewanderte Arbeiter zu.

Die Opposition sah sich mitten in der Legislaturperiode gezwungen, ihren Spitzenkandidaten gegen einen Mann auszutauschen, dem mehr Chancen gegeben werden, Regierungschef zu werden. Die australischen Grünen sind zerstritten, manche halten sie für kommunistisch unterwandert.

Allgemein wird die politische Apathie beklagt, besonders die der Jugend.

Bemerkenswert erschien uns das starke Unbehagen, rechts wie links, über die hemdsärmelige US Globalpolitik. Man will kein Vasall Amerikas sein, möchte diese Haltung aber auch nicht als Antiamerikanismus verstanden wissen. Unüberhörbar sind die Beschwerden über einen amerikanischen "Kulturimperialismus". Tatsächlich wird der Filmmarkt mit Hollywood Produkten überschwemmt - ein Machwerk namens "Rambo" ist in Australien ein Kassenschlager, und das Fernsehen zeigt überwiegend Serien von der DallasDenver Machart. Von Intellektuellen wird der Niveauverfall im Hörfunk bestürzt wahrgenommen, weil er sich aus Sorge um die Einschaltquoten immer mehr der Konkurrenz privater Sender und ihrer seichten Programme anpaßt. Unter den Sparmaßnahmen muß zuvörderst die Kultur leiden.

In den Buchläden stellt man vor allem den Verkauf von Bestsellern, die sich ohnehin von selbst verkaufen, heraus.