Liebe tut gut und macht Mut", schreibt die 23jährige Manuela mit der linken Hand; die rechte ist verkrüppelt. Es ist der Anfang eines langen Gedichts, das sie an ihren Schatz schreibt.

Der Schatz ist mein Sohn, und Gedichte sind ihre Spezialität.

Wenn ich ihre kleine, unförmige Gestalt hinkend auf meinen Sohn zugehen sehe, der Hut hängt schief auf dem Kopf, der Rock ist viel zu lang, unc wenn er sich schlurfend auf sie zubewegt, sie umarmt und ihm vor lauter Glück dabei die Tränen übers Gesicht laufen, wende ich mich nicht mehr ab. Ich kann es ertragen, daß die beiden so unverhohlen ihre Gefühle zeigen, ob nun andere dabei zusehen oder nicht. Er ist frisch rasiert und gut gekleidet (dafür muß ich sorgen), und dann sieht der Dreißigjährige wirklich gut aus; die sonst so trüben Augen strahlen.

Mir wärmt es das Herz, and doch ist es immer noch peinlich, wenn wir zu dritt bei einem Ausflug in eir e Gartenwirtschaft gehen und die Leute am Nebentisch das Liebespaar so unverwandt anstarren.

Dann ertappe, ich mich dabei, daß ich zurückstarre und mir entfähr: "Ja, die beiden sind behindert! Das sehen Sie doch!"

Hinterher schäme ich mich deswegen.

"Wenn alle, normalen Leute so glücklich wären und sich so lieben könnten wie die Behinderten, wäre die Veit bereits ein Paradies", sagt etwas überschwenglich der Leiter eines Wohnheims füi geistig Behinderte.