Seit fünfzehn Jahren sind sie im Geschäft, sie besorgen vergessene Hausschlüssel, schaffen den liegengelassenen Reisepaß zum Flughafen, kutschieren kranke Katzen ebenso zum Tierarzt wie den Kanarienvogel, liefern Blumensträuße zu jedem Anlaß ab, bringen die zerbrochene Zahnprothese zum Zahnarzt, Dokumente zum Anwalt und Laborgutachten in die Klinik: rund 150 private Kurierdienste in der Bundesrepublik mit mittlerweile sechstausend Beschäftigten.

Lange freilich werden sie wohl nicht mehr durchhalten. Staatsmonopolist Christian Schwarz Schilling setzt nämlich alles daran, die privaten Kurierdienste aus dem Markt zu werfen, und das mit Methoden, die Werner Roemer schlicht "rücksichtslos" nennt.

Werner Roemer ist Vorsitzender des "Bundesverbandes selbständiger Kraftfahrer" (BSK), in dem sich die selbständigen Gewerbetreibenden im Kurierdienst zusammengeschlossen haben, um ihre Interessen auch nach außen zu vertreten. Die Idee, private Kurierdienste zu organisieren, wurde vor etwa fünfzehn Jahren von einem Frankfurter Mietwagenbesitzer realisiert. Er tauschte Fahrgäste gegen Sachgüter aus und versprach deren schnelle und zuverlässige Beförderung innerhalb Frankfurts.

Die Idee machte rasch Schule; in nahezu allen großen Städten der Bundesrepublik schössen Kurierdienste aus dem Boden, gerieten dabei in einen erbarmungslosen Wettbewerb, der nicht immer von der ganz feinen Art war, bis es schließlich 1983 zur Gründung des Bundesverbandes kam, dessen Ziel auch war und ist, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Seit 1983 arbeiten die örtlichen und regional tätigen Kurierdienste auch bundesweit mit der Bundesbahn zusammen. Werner Roemer hatte der Bundesbahn vorgeschlagen, ihren bisherigen Kurierdienst "von Bahnhof zu Bahnhof" in Zusammenarbeit mit dem privaten Gewerbe in einen Dienst "von Schreibtisch zu Schreibtisch" auszubauen. Die privaten Kurierdienste holen das Eilgut beim Absender ab, übergeben es am Bahnhof dem IC Kurierdienst, der es wiederum am Zielbahnhof einem örtlichen Kurierdienst für den Transport zum Adressaten übergibt. Die Kosten 20 Mark für das Abholen, 100 Mark für die Bahn, 20 Mark für das Bringen, übernehmen je nach Wunsch Empfänger oder Absender.

Die Freude über die Konsolidierung eines neuen KJeinunternehmertums sollte allerdings nicht von langer Dauer sein. Denn im Herbst 1983 beschloß Postminister Christian Schwarz Schilling, das Kurierdienst Geschäft nun selbst in die Hand zu nehmen. Zwar hat die CDU die besondere Mittelstandsförderung zum politischen Programm erklärt, im übrigen auch versprochen, die Privatisierung staatlicher Tätigkeiten zu forcieren, wo immer das möglich und nötig ist, doch der Postministef deutet das alles aber ganz anders.

Im Oktober eröffnete Schwarz Schilling den Postkurierdienst in den sieben Städten Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Ludwigshafen, Mannheim, München und Nürnberg und erklärte die neue Dienstleistung nach bewährter Methode kurzerhand zum Bemebsversuch. Dafür braucht der Postminister nicht die Zustimmung des Postverwaltungsrats, die sonst bei der Einführung neuer Dienste nötig ist. Inzwischen ist der Betriebsversuch um vier weitere Städte - Lörrach, Münster, Reutlingen und Warendorf - ausgedehnt worden. Intern scheinen sogar schon die Weichen für die Einführung des Kurierdienstes als Regelleistung der Bundespost gestellt. Werner Ditsch, Kurierdienstler im Bonner Postministerium: "Die Entscheidung wird im nächsten Jahr vom Minister getroffen. Die Marktakzeptanz des Dienstes beweist, daß er sich zur Abrundung des Leistungsangebots eignet "