k as Feuer umzingelt dep; Fahnenmast und n eift das Sternenbanner, das in wenigen J_> Sekunden von leuchtenden Flammen vernichtet wird. Die Menge, in der Überzahl Jugendliche, johlt. Mit wütendem Gesichtsausdruck und zornbebender Stimme tritt Präsident Mubarak vor seine Landsleute. Was er sagt, ist nicht mehr genau zu verstehen. Darüber liegt die Stimme des sowjetischen Nachrichtensprechers. Der Szene aus Kairo folgen kritische Urteile über Amerika - aus westlichen Zeitungen. Selbst die Nato Verbündeten, so erfahren die Sowjetbürger aus ihren Medien, verurteilen die Entführung der ägyptischen Verkehrsmaschine durch amerikanische Jagdflugzeuge.

Doch die scharfen Anklagen gegen Washington erfolgen zumeist nur indirekt - durch Zitate aus dem Ausland. Mit eigenen Kommentaren hielt sich Moskau erstaunlich zurück. Zwar meldete die Nachrichtenagentur Tass den Luftzwischenfall, bescheinigte jedoch zugleich, daß "Zorn und Empötung der Amerikaner über die von den Entführern auf dem Schiff Achille Lauro begangenen Greueltaten verständlich und gerecht" seien. Statt selbst zu kritisieren, nutzte die Sowjetunion die Gelegenheit, um in eigener Sache zu sprechen. Wenn sich Amerika gerechterweise gegen den Terrorismus wehre, dann möge Washington doch auch jene sowjetischen Flugzeugentführer ausliefern, die in den USA Asyl gefunden hätten. Gemeint sind damit Vater und Sohn Brazinskas, zwei frühere Sowjetbürger, die vor 15 Jahren eine Aeroflot Maschine in die Türkei entführten, dabei eine Stewardeß töteten und die beiden Piloten verletzten.

Die sowjetischen Medien gaben ihre Zurückhaltung gegenüber den Amerikanern erst auf, als Libyens Revolutionsführer Ghaddafi bei seinem Moskau Besuch vorpreschte und das Luftmanöver als "unverfrorene Aktion" bezeichnete, die vom UN Sicherheitsrat verurteilt werden müsse. Am gleichen Tag verbreitete Tass eine moderate Verurteilung der v ereinigten Staaten, die später für das gemeinsame sowjetisch libysche Kommunique übernommen wurde. Gewichtiger war allerdings, daß dieses Kommunique - im Gegensatz zu den libyschen Interessen - die Notwendigkeit herausstellte, mit allen nationalen Kräften des Libanon zu einer friedlichen Regelung zu kommen. Die nationalen Rechte der Palästinenser wurden zwar anerkannt, aber die Gründung eines eigenen Staates stand als letzter Punkt im Kommunique. Diese Zeichen der Zurückhaltung passen zum Bemühen des Kreml, sich als Friedensstifter im Nahen Osten zu empfehlen. Es wirkte zwar störend, daß Ghaddafi in der sowjetischen Hauptstadt offensichtlich davon sprach, eine Friedensregelung sei undenkbar, solange Israel existiere. Doch dem stehen nicht nur der von Moskau vorgelegte Plan einer Friedensverhandlung unter Einschluß aller beteiligten Staaten - also auch Israels - entgegen, sondern auch die jüngsten Äußerungen Gorbatschows in Paris. Dort hatte der Parteichef Israel neben dem Recht auf seine Existenz ausdrücklich das Recht auf Sicherheit zugebilligt. Seit der Entführung sowjetischer Diplomaten im Libanon - eine Geisel wurde ermordet, drei werden noch immer festgehalten - hat Moskau zusätzlichen Anlaß, sich in Zurückhaltung zu üben. Früher hatte der Kreml unter Anspielung auf Amerikas Engagement in Nahost und speziell im Iran wiederholt erklärt, Opfer des Terrorismus seien stets jene, die an Konflikten mitgeschürt hätten. Jetzt legt Moskau größten Wert auf die Feststellung, d_aß die Sowjetunion mit den Entführern nie die geringsten Berührungspunkte gehabt habe. Indirekt wurde sogar das relativ moskaufreundliche Syrien zum Sündenbock in dieser Affäre gemacht. Verschleiert hieß es in einer sowjetischen Regierungserklärung zur Geiselnahme, Schuld seien auch jene, die hätten helfen können, es aber nicht taten. Dieser mangelnde Einsatz werde sich negativ auf die Beziehung zur Sowjetunion niederschlagen.

In der Tat setzte die Sowjetunion gegenüber Syrien ein Signal: Zum fünften Jahrestag des gemeinsamen Freundschaftsvertrags druckte die Staatspresse nicht - wie noch im Jahr zuvor - den gesamten Wortlaut der ausgetauschten Grußtelegramme ab. Und mit dem eigenwilligen Libyer Ghaddafi schlössen die Kremlführer - wiederum überhaupt keinen Freundschaftsvertrag ab. Er mußte sich mit einem langfristigen Wirtschaftsabkommen begnügen.

All das zeigt, daß Gorbatschow die gemäßigten Nahpststaaten nicht verärgern will und in der arabischen Welt auch bei vergleichsweise westlich orientierten Ländern Fuß fassen möchte. Jüngstes Beispiel für diese Politik ist die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum Sultanat Oman in der Golfregion, zu einem Staat also, in dem die USA mehrere Militärstützpunkte unterhalten. Auch die fast gleichrangige Behandlung der beiden jemenitischen Staaten, die untereinander konkurrieren, aber jeweils eigene Freundschaftsverträge mit der Sowjetunion abgeschlossen haben, zeugt von Moskaus neuer Flexibilität in der arabischen Welt.