Firau Anand Birnstiehlef will sich unbedingt im Schwarzwald niederlassen. Am liebsten bliebe Bhagwan Konzerns, genannt Ma Anand Sheela, in Hinterzarten, aber auch Häusern bei St. Blasien hat es ihr und ihren etwa zwanzig Anhängern angetan. Soll der südliche Hochschwarzwald nach Pcona und Oregon der dritte Schauplatz der Geldsammler Religion werden?

Zuletzt wollte Sheela das bankrotte Hotel "Weißes Rößle" in Hinterzarten kaufen Über vier Millionen Mark boten die Bhagwan Abtrünnige und ihre Gefolge für das alte, etwas ramponierte Holzhaus mitten in dem Höhenluftkurort, das noch einmal zwei Millionen für die Renovierung benötigt. Nach einer Irrfahrt kreuz und quer durch die Bundesrepublik wollten die abgefallenen Sanyasin hier eine neue Heimat schaffen und das Hotel bewirtschaften. Was Sheela sonst noch machen wollte, was von den Gepflogenheiten der BhagwanVereinigung hier im Tann Wiederaufleben würde ob Seelenfang, Gelderwerb, indische Lebensweisheit oder autoritärer Dünkel mit Pistolen und Stacheldraht , das blieb verborgen.

Die Schwarzwälder reagierten auf das Kaufgebot fast panisch. In Hinterzarten blätterten "Sparkassenleiter, Gemeinderäte, Hoteliers und Lehrer entsetzt in den unsäglichen Interview Seiten des Rainesh, genannt Bhagwan zustande gekommen waren. Hitlerlob und Gandhischimpf, sexuelle Bedenkenlosigkeit und grenzenlose Realitätsfeme, von den Anhängern finanziert, grinste ihnen da entgegen. So was wollte man sich keinesfalls einfangen.

Zudem hatte Sheela ahnungslos zwei Orte auserkoren, in denen die Ex Sanyasin zwei renommierten Internatsschulen ins Gehege gekommen wären. Bei Häusern, dem ersten Zufluchtsort, liegt das Jesuitenkolleg St. Blasien mit fast 600 Schülern. Direktor Pater Hans Joachim Martin SJ (Societatis Jesu) schrieb über Sheela erbost an die res ehemaligen Lebensgefährten, der sich als Bhagwan (göttlicher Herr) verehren läßt, hat das Leben vieler Menschen in negativer Weise verändert und viele Familien entzweit Von "raffiniertem Irrationalismus", "Aberglaube und Geld" sprach der Jesuit und erinnerte an die "verschleierte Forderung der Hingabe" und deren Ausbeutung. Für ihr Internat brauchen die Patres Ruhe und Solidität, jedenfalls alles andere als einen so lasziven Nachbarn.

Auch in Hinterzarten gibt es ein berühmtes Internat, den Birklehof, nur einen Steinwurf vom "Weißen Rößle" entfernt. Auch diese Schule wehrte sich energisch, denn sie sieht durch die Sheela Gruppe ihre Existenz gefährdet, weil viele Eltern ihre Kinder von der Schule nähmen, wären die Bhagjwans deren Nachbarn. Der Birklehof wandte sich um Hilfe an seine Freunde, Ministerpräsident Späth, den Berliner Bildungsprofessor Hellmuth Becker und an Carl Friedrich von Weizsäcker, den Physiker, der im Vorstand des Schulvereins sitzt.

Und in Hinterzarten selbst glühten alle verfügbaren Drähte. Aber ein Hotelgrundstück ist Privatsache. Eigentümer, Gläubiger und Konkursverwalter sind an Barem interessiert, der Schrecken, der vom Guru ausgeht, graut ihnen weniger. Dennoch: Hauptgläubigerin ist die Sparkasse, und sie kann ihre Fremdenverkehrskunden, die Stimmung in der Gemeinde und drohenden geschäftlichen Niedergang nicht ignorieren. Außerdem wollte sich Sheela das viele Geld ausgerechnet von dieser Sparkasse leihen. Das Unbehagen schlug durch. Die Eigentümer lehnten das Kaufangebot Sheelas ab, gewiß mit Zustimmung der Gläubiger und des Konkursverwalters, der sich über die Publizität für das leidende Projekt die Hände reiben kann. Daß "Hinterzarten dichtgemacht" hat, ist kein Produkt der Fremdenfeinduchkeit oder religiöser Intoleranz. Den Ruf der Bhagwan Anhänger haben diese selbst zuschanden gemacht. Die Interviews des Rolls Royce Sammlers, die gegenseitigen Vorwürfe nach der Spaltung, Beschuldigungen, die von faschistischen Umgangsformen bis zu Diebstahl und Mord reichen, und schließlich die erste Selbstauflösung einer Religion, von deren Stifter arrogant und selbstsüchtig bewerkstelligt das macht die Bürger wohl mit Recht rebellisch. Aus dem weißen Rößle wird nun kein pinkfarbenes Rößle.

Sheela ist im Schwarzwald noch nicht ausgestanden. Doch so leicht, wie im weiten Oregon, wo die amerikanischen Behörden sich jahrelang duckten, dürften die Ex Sanyasitt es in der dicht besiedelten Bundesrepublik nicht haben. Was sagte Sheela einmal ahnungsvoll? "Klatsch ist schneller als Feuer!" Hanno Kühnen