In Rumänien gehen die Lichter ans: Alle Kraftwerke des abgewirtschafteten Landes sind unter Militärkommando gestellt worden. Hartnäckige Gerüchte über eine Krebserkrankung Ceausescus deuten zugleich auf eine persönliche Schwächung des balkanischen Diktators hin.

T Tnmittelbar nach seiner Rück_ykehr aus China und Nordkorea - mit dieser Reise wollte der abgemagert und geschwächt wirkende Nicolae Ceausescu offensichtlich auch den Spekulationen über seinen Gesundheitszustand entgegenwirken - hat Rumäniens Staats- und Parteichef den Ausnahmezustand über die Elektrizitätswirtschaft des Landes verhängt. Wie katastrophal die Energiesituation des Landes ist, macht besonders sejne Entscheidung deutlich, sämtliche Kraftwerke unter militärische Aufsicht zu stellen.

Von Beginn dieser Woche an sind allen Direktoren der Thermound Hydrozentralen Militärkommandanten übergeordnet. Sie sind für die strikte Einhaltung des Energieprogramms verantwortlich. Um alle Unterbrechungen der nur noch minimalen Versorgung mit Strom zu verhindern, kontrolliert die Armeeführung auch die Einhaltung der Normen und die Disziplin der Arbeiter.

Gleichzeitig feuerte Ceausescu drei für die Energiewirtschaft zuständige Minister. Auf diese Weise versucht der Staats- und Parteichef schon seit Jahren, die Verantwortung für Fehlschlage auf andere abzuwälzen. Abgesetzt wurden der für Energiefragen verantwortliche Erste Stellvertretende Ministerpräsident Avram, der für elektrische Energie zuständige Minister Busui und der Bergbauminister Stefanache. Den drei bisherigen Regierungsmitgliedern wird Mißmanagement, fehlerhafte Planung und Nichteinhaltung des Energieprogramms vorgeworfen. Zum neuen Minister für elektrische Energie wurde einer der höchsten Spitzenfunktionäre ernannt: Ilie Verdet, ein Schwager Ceausescus und früherer Ministerpräsident.

Eine irreale Planung, fehlgelenkte Investitionen und falsche Prioritäten haben schon seit Jahren zu katastrophalen Bedingungen in der rumänischen Energieversorgung geführt.

Die Städte des Landes liegen abends in fast totaler Finsternis. Im vergangenen Winter hatte Ceausescu per Dekret verfügen lassen, daß pro Wohnraum nicht mehr als eine Glühbirne von fünfzehn Watt brennen durfte. Die Temperatur für die Zimmer in rumänischen Häusern wurde auf sechzehn Grad festgesetzt.

In diesem Jahr hat das Ausbleiben des Herbstregens in Südosteuropa die Staubbecken austrocknen lassen, so daß Rumänien auch mit Stromeinfuhren aus Jugoslawien und Albanien nicht rechnen kann. Die Sowjetunion, von der sich Ceausescu einst durch eine übermäßig forcierte, eigenständige Industralisierungspolitik unabhängiger machen wollte, ist zwar in der Lage, mit Energieimporten einzuspringen. Aber sie würde harte Valuta und politische Preise fordern.