Die Sache ist fast possierlich. Da tritt HansJürgen Wischnewski, der alte Kämpe, von seinem Amt als SPD Schatzmeister zurück und begründet dies in einem Brief an seinen Parteivorsitzenden ("Lieber Willy") mit dem Hinweis auf die prekäre Finanzsituation der Sozialdemokraten: "Im Gegensatz zu früher gibt es keine nennenswerten Spendeneinnahmen mehr. Das Vermögen der Partei ist in den letzten Jahren in immer stärkerem Maße verbraucht worden " Sechs Wochen später fördert der sozialdemokratische Rechenschaftsbericht das Gegenteil zutage: Die SPD ist die Partei mit dem größten Vermögen (147 Millionen Mark; CDU 106; Grüne 27 5; CSU 19 4; FDP l Million). Ihr Spendenaufkommen ist mit 16 2 Millionen Mark niedriger als das der CDU (24 Millionen) - doch das der CDU ist 1984 um 16 Millionen gesunken, das der SPD um 5 Millionen gestiegen. Kannte Ben Wisch wirklich seine Zahlen nicht? Oder hatte er sich verrechnet? Verrechnet hat sich die SPD auf jeden Fall bei der von ihr betriebenen Einführung des "Chancenausgleichs" im Parteiengesetz. Danach sollte der Staat jenen Parteien ein Trostgeld zahlen, die bei den Spenden benachteiligt bleiben. Jetzt erhielten die CDU 2 8 Millionen, die CSU 2 8, die FDP 1 6 Millionen "Staatsknete". Sozialdemokraten und Grüne hingegen gingen leer aus - ihre Kassen werden zu voll. Ob sich das Bundesverfassungsgericht dieser bedenklichen Selbstbedienungseinrichtung nun noch einmal annimmt?