Ehe in der Krise, Liebe ohne Lust, Familie kaputt - die Zeitungen sind voll davon, die Magazine und Illustrierten. Artikel zum Thema würden regalweise Aktenordner füllen. Bücher gibt es jede Menge. Allein in der Handbibliothek der staatlichen Hamburger Eheberatungsstelle stehen 238 Exemplare. Die Titel sprechen Bände: "Psychologie der Partnerwahl", "Die Zweierbeziehung", "Wir wollen es besser machen", "Geben und Nehmen in der Ehe", "Das Paar in Erwartung", "Impqtenz und Anorgasmie", "Warum sich gleich scheiden lassen?", "Streiten verbindet", "Scheiden tut weh".

Eheberatung ist zu einem expandierenden Gewerbe geworden: Vor zehn Jahren beriet die Caritas in Hamburg rund 200 Eheleute jährlich. Heute sind es 1200 - und die Hälfte der Ratsuchenden muß weggeschickt werden.

Die Beratungskultur begann vor vier Jahrzehnten mit der Erziehungsberatune. Die tiefenpsychologische Einzeltherapie blühte auf mit den neuen Techniken der Verhaltenstherapie, dann kam die Gruppendynamik, die Kommunikationsund Familientherapie. Die Zweisamkeit als solche sah lange Zeit niemand als Problem. Dies hat sich grundlegend geändert. Die Ehe ist gesellschaftlichen Einflüssen ausgesetzt, und davon gab es in den vergangenen vierzig Jahren mehr als genug: die Gleichberechtigung, die Empfängnisverhütung, die liberalisierte Sexualität, die Technisierung, welche die körperliche Kraft des Mannes unwichtig macht.

Flexibel soll der Mensch sein: im Beruf und in der Wahl seines Wphnortes; konsumieren kann er, was er will; er kann, wohin er will, in Urlaub fahren. Er hat die freie Wahl. Und bei aller Veränderung soll eines konstant bleiben: der Ehepartner? Neue Ansprüche entstehen, alte Aufgaben verschwinden. Die Ehe ist keine Schutz- und Trutzgemeinschaft gegen äußere Wirrnisse mehr wie vor hundert Jahren. Seit es die Sozialversicherung gibt, braucht es keine vielen Kinder mehr, die für das Brot der alten Tage sorgen müßten. Die Haushaltstechnik macht das Junggesellendasein problemlos. Der Status der Ehe hat gelitten, Single zu sein, ungebunden zu sein, zählt bald mehr. Was bleibt da übrig an Funktion für die feste Form zwischen Mann und Frau? Nur das nackte Gefühl. Der Schriftsteller Botho Strauß in "Paare, Passanten": "Für uns in den Städten, uns Mobile, Beschleunigte und Mischkläßler, entscheidet sich die Partnerwahl in einem, freien Spiel von anziehenden und abstoßenden Kräften, je nach Lust und Laune und dem Angebot der Reize Alleinbestimmend ist, was gerade der Seele gefällt und es gefällt ihr schon gleich nicht mehr, wie man weiß, denn sie ist ja der Hort des Gegenwendigen schlechthin "

Nach einer Untersuchung des Hamburger Statistischen Landesamtes wurden 1982 bereits 40 6 Prozent aller Haushalte der Hansestadt von Alleinstehenden gebildet.

Wie geht es nun zu, wo Mann und Frau noch zusammen sind? Grundsätzlich gilt: Die Ehe ist eine block box, von außen nicht einsehbar. Das Private wird öffentlich erst, wenn das Glück vorbei ist: Von Richtern, Scheidungsanwälten, Gynäkologen, Psychiatern und Frauenhäusern bekommen die Eheberater ihre Klienten zugewiesen. "Und wir werden von der Polizei oft eingeschaltet", ergänzt die Hamburger Eheberaterin Adelheid Kirschninck, "wenn sich Eheleute mitten in der Nacht den Kopf spalten "

Aufschlußreich sind die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, die Matthias Krause, Absolvent der Hamburger Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, in der Zeitschrift Deutsche häuften sich in der Zeit von 15 bis 3 Uhr. Innerhalb dieser Zeitspanne traten sie zwischen 21 und 3 Uhr besonders häufig auf. Das Ansteigen der Streitigkeiten ab 21 Uhr liegt wohl darin, daß sich die Familienmitglieder erst am Abend zusammensetzen. Der in den Abendstunden vielfach verstärkt auftretende Alkoholkonsum bewirkt, daß die Erregbarkeit der Betroffenen gesteigert und dadurch die Streitwahrscheinlichkeit erhöht wird "

Auch der Streit selbst folgt gewissen Mustern: "Sowohl Männer als auch Frauen begingen häufiger Körperverletzungen als Sachbeschädigungen. Als vermutliche Ursache ist hier zu nennen, daß bei der Körperverletzung die Aggression unmittelbar gegen den Streitpartner gerichtet und die Schädigungsintention somit direkt umgesetzt werden konnte. Durch das Beschädigen oder Zerstören der in der Regel gemeinsamen Wohnungseinrichtung hätte sich der Aggressor selbst in gleichem Maße wie den Streitpartner geschädigt "

Krause findet es "überlegenswert, ob nicht jede Polizeirevierwache Streitkarteien anlegen sollte", um die bei einem Einsatz gewonnenen Informationen für den nächsten zu nutzen, denn "in 44 2 Prozent der Fälle mußte die Polizei am gleichen Streitort schon mindestens einmal einen Streit schlichten". Trautes Heim - Glück allein: unter Aufsicht der Polizei?

Ehekräche bereichern nicht nur die Einsatzstatistiken der Polizei. Sie treiben auch Selbstmordund Verkehrsunfall Ziffern in die Höhe. Der Diplom Psychologe Michael Cöllen von der Caritas in Hamburg: "Es gibt 14 000 Selbstmorde im Jahr in der Bundesrepublik, viele sind auf Beziehungskrisen zurückzuführen. Und von den 14 000 Unfallopfern ist ein großer Teil aus denselben Gründen bewußt in den Tod gefahren. Auch viele Krankschreibungen gehen auf das Konto von Partnerschaftskonflikten "

Cöllen fragt sich deshalb, "warum um 600 Drogentote pro Jahr viele Kampagnen aufgezogen werden - was ja gut ist , die Partnerschaftskonflikte aber ignoriert werden". Die Antwort ist einfach: Drogenopfer sind ein gesellschaftlicher Makel von bedrohender Exotik. Ehekräche aber sind Privatsache und an der Tagesordnung.

Die Lücke, die der Staat auf dem Sektor der Eheberatung läßt, haben die Kirchen geschlossen. 790 Beratungsstellen beider großen Konfessionen gibt es im Bundesgebiet, nur wenige staatliche. Eine davon leitet die Sozialpädagogin Adelheid Kirschninck in Hamburg.

Die Hamburger Institution trägt einen altertümlichen Namen: "Vertrauensstelle für Verlobte und Eheleute". Hinzugefügt wurden die Informationen "Ehe- und Partnerberatung sowie Trennungshilfen". Dieser Zusatz ist wichtig. Kaum ein Therapeut mag sich noch Eheberater nennen. Es kommen inzwischen zu viele, die nicht verheiratet sind.

Das Gros der Klientel ist zwischen 25 und 40 Jahren alt. Doch es suchen auch Leute über 50 um Rat, deren Ehe nach klassischem Schema verlaufen ist, und die nun, da die Kinder aus dem Haus sind, plötzlich das Gefühl haben, vor dem Nichts zu stehen.

Für die Hamburger Caritas kann Michael Cöllen die Kundschaft spezifizieren: 60 Prozent aus der Mittelschicht, 30 Prozent aus der Oberschicht, 10 Prozent aus der Unterschicht.

Den Anstoß zu einer Beratung geben meist die Frauen, erst in jüngster Zeit zunehmend Männer wenn sie Angst haben, von ihrer Frau verlassen zu werden. Oft stehen sexuelle Probleme im Zentrum einer Beratung. Wie oft? "Das ist eine ideologische Frage", meint Michael Cöllen, "die Zahlen schwanken zwischen 5 und 80 Prozent Sinnvoll zu beantworten sei sie ohnehin nicht, weil Probleme nicht isoliert auftreten. Wenn zwei sich nicht mehr verstehen, werden sie auch kaum noch miteinander schlafen - und umgekehrt.

Viele Frauen suchen Rat, weil sie in den Beruf zurückkehren möchten, die Männer dies aber nicht wollen. Andere Frauen leiden unter dem beruflichen Streß, den der Mann in die Familie einschleppt.

Und warum kommen Unverheiratete? Ohne Trauschein könnten sie doch einfach auseinandergehen? Adelheid Kirschninck wünschte manchmal, sie täten es "Warum bleiben Sie bloß mit Ihrem Mann zusammen", hat sie gerade eine unverheiratete Frau gefragt "Er schlägt Sie, er trinkt, er randaliert - "Ja, ja", habe die Frau geantwortet, eine Fünfzigjährige, "aber beter een Mann inne Büx äs keen Mann inne Büx "

Die Angst vor dem Alleinsein, sagt die Beraterin, halte die Leute zusammen, "die Furcht vorm psychischen Abklappen". Gewiß sei dies in der Stadt ein größeres Problem als auf dem Land, wo die Gemeinschaft doch noch vieles auffange. Pastor Karl Günther Petters, Leiter der Abteilung Beratung vom Diakonischen Werk in Hamburg, sieht aber auch Positives im Anstrom Unverheirateter: "Die wollen halt zusammenleben und etwas dafür tun "

Beim Diakonischen Werk nimmt eine Beratung etwa folgenden Verlauf: Kommt ein Partner in die Sprechstunde, wird versucht, den zweiten hinzuzugewinnen. Die Therapeuten helfen den Paaren dann dabei, das Muster ihrer Konflikte zu erkennen, das sich aus der Kluft zwischen Projektion und Realität bildet. Sie wollen kerne Ratschläge geben, sondern Unbewußtes herausarbeiten. Dann formulieren Mann und Frau eine Aufgabenstellung: was sie miteinander erreichen wollen. Diesen Willen gilt es nun in gelebten Alltag umzusetzen "Das ist kein rein intellektueller Prozeß", sagt Petters, "das muß emotional aufgeschlossen werden. Zärtlichkeit gehört dazu, aber auch Wut, Ärger und Haß Die Paare berichten den Therapeuten von Erfolgen und Rückschlägen. Schließlich wird überlegt, wie sie ihr neues Umgehen miteinander auch ohne Beratung weiterentwickeln können, denn - so Petters - "die Beräter sind ja nicht Papa und Mama für die Leute". Die Prozedur dauert meist 20 bis 30 Stunden - je eine Stunde pro Woche.

Die Caritas gibt eine Erfolgscjuote von 60 bis 75 Prozent an. Erfolg heißt: zufriedener Zusammensein oder einvernehmlich trennen. Manche Paare brechen die Beratung ab, weil die zutage geförderten Probleme für sie zu bedrängend werden. "Auch wer in die Beratung kommt, will sich ja nicht verändern", sagt Petters, "man hat ja sein Lebenskonzept Verändern möge sich doch bitte der andere.

Für die Einschätzung der eigenen Erwartungen an den Partner spielt die Kindheit eine große Rolle: Frauen zum Beispiel, die ohne Vater aufgewachsen sind, kennen männliches Verhalten in Extremsituationen nicht. Adelheid Kirschninck: "Die ganz Jungen haben euphorische Vorstellungen von der Ehe. Dann wira es Alltag, man mufft sich an, und schon ist es kaputt. Da fehlt die Erfahrung, wie Vater und Mutter sich gestritten haben "

Wo Eheberatung sinnlos wird, weil die Partner aneinander zu erkranken drohen, geht sie heute zwanglos in eine Trennungsberatung über. Michael Cöllen von der Caritas denkt mit seinem Team seit zehn Jahren über die Frage nach, welchen Sinn Partnerschaft noch haben kann ohne die alten sozialen Funktionen. Die Eheberatung kann ja nur dort wirksam helfen, wo Einzelne persönliche Probleme haben. Gegen gesellschaftliche Phänomene ist sie machtlos.

Cöllen meint: Auf die gesellschaftlichen Veränderungen muß mit neuen Formen reagiert werden, das starre Ehemodell ist chancenlos. Sein Ideal: Berufstätigkeit und Familie für beide Partner, sechs Stunden Arbeit am Tag. Seine Vorstellungen werden bestätigt von einer Untersuchung der Forschungsstelle Sozialökonomik der Freien Universität Berlin zum Thema "Neue Männer in Beruf und Familie".

Befragt wurden Hausmänner und Teilzeitarbeiter "Das Schlimmste ist das Saubermachen, das ist wirlich ekelhaft", gab einer der Nur Hausmänner zu Protokoll, stellvertretend für viele. Die Männer ganz ohne Beruf und Karriere werden ihres Lebens nicht froh. Anders die Teilzeitarbeiter. Es gibt allerdings noch wenige dieser "Pioniere einer neuen Zeit", vielleicht 10 000 Paare in der Bundesrepublik.

Berufstätigkeit beider ist nur ein Bestandteil von Cöllens "Paarsynthese", einem Modell moderner Partnerschaft. Cöllen sieht die "Dyade", die EinheitZweisamkeit von Mann und Frau, durchaus als ideale Lebensform an - und ein Leben lang soll sie auch währen. Allerdings: Ganz anders aussehen soll sie als die Ehe.

Die Grundüberlegung: Mann und Frau sind wie die fernöstlichen Lebenssymbole Yin und Yang. Jeder Mann trägt weiblicne Anteile in sich, jede Frau männliche. Frau und Mann sind gleich und doch verschieden. Ohne den anderen ist ein jeder nichts. Durch die Begegnung mit dem anderen Geschlecht reifen der Mann, die Frau zu Menschen heran. Schmerz und Freude, Treue und Untreue - alle Gegensätze gehören dazu "Ganzheit" ist das Stichwort.

Auch verändern sich Mann und Frau mit dem rYlterwerden und der Dauer ihrer Partnerschaft, es §ibt eine "Phasendynamik" der Liebe. Auf die "Verschmelzung" in jungen Jahren folgten die kußenorientierung der beruflichen Karriere, die Emanzipation vom anderen, das Gehen eigener Wege. Viele Paare schaffen diese Umstellung aicht. Einer will den anderen festhalten, und darin sieht Cöllen die Ursache vieler Probleme "Wer sagt denn", fragt er, "daß Ehe unter einem Dach leben muß?"

Zwischen 40 und 50 Jahren ist die Lebensmitte reicht, die Partner überprüfen ihre Konzepte. Zwischen 50 und 60 beginnt das Alter, die Karriere neigt sich dem Ende zu, die Kinder sind erwachsen. Zwischen 60 und 70 orientieren sich die Partner wieder aneinander.

In Cöllens Modell haben die Zwei fürs Leben nel vor sich. Und immer heißt es flexibel sein. Ein einziges Auf und Ab - erst im hohen Alter Vird das anders: "Von achtzig an", steht in seinem Konzept, ist "endlich Frieden".

Vor allem die Männer müssen viel lernen. 73 Prozent der Scheidungen werden von Frauen eingereicht "Viele Männer sind doch Gefühlskrüppel", sagt Cöllen und führt als Beleg die Passagiere des City Jets von Hamburg nach München an, den er manchmal benutzt, wenn er ein Ehe Seminar im Süden besucht: "Mit Aktenkoffern, Schlips und Kragen und wichtigem Gesicht - einer wie der andere, wie eine Armee "

Diese Männer haben offenbar noch nichts gemerkt vom "11. Megatrend", den der amerikanische Bestseller Autor John Naisbitt das "wahrscheinlich Wichtigste" nannte, "das in unserem Jahrhundert in Amerika passiert": Androgynie die Vermännlichung der Frau, die Verweiblichung des Mannes. Männer und Frauen streifen die alten Rollenbilder ab und finden zu einem neuen, befreiten Miteinander. Die Abkehr vom männlichen Prinzip: was schimpft Cöllen auf die "Orgasmusfixierung"! Er fordert die "breite Sinnlichkeit". Daß der bloße Anspruch - und sei er auch noch so hoch , nicht genügt, zeigen Blicke in die Innenwelt moderner Paare, die belesen, aufgeklärt und engagiert sind, und Yin und Yang nicht für die siamesischen Max und Moritz halten. Sie sprechen über ihre Bedürfnisse - auch sexuelle , sie sind oft nicht verheiratet, leben aber zusammen, möglichst ohne faule Kompromisse. In diesen "neuen Beziehungen" gibt es aber deshalb nicht weniger Konflikte.

Das Problem Sexualität (zum Beispiel): Er will, sie nicht. Sie kommt in die Beratung, um sich therapieren zu lassen, er begleitet sie. Ihr würde ja gar nichts fehlen, berichtet sie, aber eigentlich gehöre das ja dazu, und er leide doch so darunter. Ihr Zärtlichkeitsbedürfnis - so stellt sich heraus wird überlagert von der Furcht, er könnte es gleich wieder in sexuelle Ansprüche ummünzen. Sie ist allgemein unzufrieden, er sexuell unbefriedigt. Sie möchte gern öfter etwas mit ihm gemeinsam machen, er möchte gern öfter mit ihr schlafen. Die Berater verbieten den Beischlaf. Ein Trick: Die Lust kehrt zurück.

Das Problem Kinder (zum Beispiel): Anfänglich ist da der "irre Kinderwunsch". Sie schlafen miteinander, wenn sie ihren Eisprung hat, "damits klappt" "Kinder machen" nennen sie das, "wir üben schon seit zwei Jahren". Der Mann findet sich zum "Üben" gern bereit, merkt aber gar nicht, daß es nicht mehr um die Liebe geht. Die Frau wird schwanger. Vorsicht und Rücksicht des Mannes sind jetzt gefordert. Nach der Geburt ist die Frau erschöpft und innerlich vom Kinde erfüllt. Beim Stillen und Schmusen erfährt sie Zärtlichkeit, auch sexuelle Stimulation. Nun will der Mann wieder was von ihr - sie fühlt sich überfordert. Das Problem Alltag (zum Beispiel): In der Müttergruppe treffen sie sich, und was alle dann ganz schrecldich finden, ist die Sprachlosigkeit zu Hause: zwischen Arbeit und Kinderpflege "sich gar nicht mehr richtig äußern zu können". Eine berichtet von ihrer Mutter - Chefsekretärin , die ihren Beruf den Kindern zuliebe aufgab und später kein fehlerfreies Deutsch mehr schreiben konnte. Eine Frau nimmt sich vor, von nun an auf jeder öffentlichen Diskussionsveranstaltung einmal das Wort zu ergreifen - um nicht aus der Übung zu kommen. Immerhin: Diese Frauen wissen sich zu wehren oder versuchen es.

Die grünen Witwen aus der Vorstadt dagegen versammeln sich in den Arztpraxen. Sie klagen über Herzbeschwerden, Kopfschmerzen, Platzangst und Depression. Wenn die Ärztin nicht tleich Pillen verschreibt, sondern nachfragt, ommt irgendwann der Satz: "Eigentlich hab" ich doch alles, ich weiß gar nicht, warum ich unzufrieden bin Kinder, Haus und Mann, die das Leben füllen sollten, machen das Leben- leer, wenn sie endlich da sind "Die Eheberatung", spottet ein Eheberater, "sollte von den Bausparkassen finanziert werden "

Kein Druckwerk hat Alltag und Abgründe der "neuen Beziehungen" authentischer geschildert als Svende Merians "Der Tod des Märchenprinzen". Der Bestseller schildert eine Romanze aus der linken Szene Hamburgs: Der Mann soll stark und weich, kein Softie und kein Macker sein, er soll sich offenbaren, aber die Frau nicht als Trösterin brauchen - emanzipatorische Ansprüche entwikkeln sich zum Paradox. Jede kleine Handlung, jede Regung, jedes Wort wird erbarmungslos seziert, die Ansprüche erschlagen die Gefühle - am Ende bleibt die "Beziehungskiste".

Manch einer, der von Anfang an solche "Kisten" gelebt hat, redet heute davon wie andere Leute vom Krieg. Hans F, freier Schriftsteller aus Frankfurt, 35 Jahre alt: "Ich habe so ziemlich jedes mögliche Modell mitgemacht, von der oberflächlichen über die vernünftig verbindliche bis zur totalen Rausch Beziehung. Ich glaube inzwischen, daß ein statischer Zustand gar nicht möglich ist. Wenn du ohne festen Partner bist, freust du dich keineswegs über deine Freiheit, sondern ziehst durch die Kneipen, auf der Suche nach der Einen. Wenn du eine stabile, vernünftige Partnerschaft hast, sehnst du dich nach der großen Verliebtheit. Bist du dann verliebt, überschwemmen dich die Ängste vor dem Abstürzen. Jeder lebt heute sein eigenes Leben, und außer dem Sex gibt es eigentlich kein Gebiet, auf dem man gemeinsame Erfahrungen macht Hans F reiht sich ein in das Heer der chronischen Singles.

Eine von ihnen ist auch Sabine S, Zahnlaborassistentin, 29 Jahre. Sie wohnt mit drei Katzen in einer schönen Altbauwohnung, die alle Anzeichen eines liebevoll und dauerhaft eingerichteten Nestes aufweist - alte, selbstrenovierte Möbel, Grünpflanzen "Das Alleinwohnen ist nicht mein Ziel", sagt sie ohne Zögern. Aber es sei "irgendwie komisch geworden zwischen Männern und Frauen". "Früher oder später gibt es Streit um die lächerlichsten Dinge, und dann erkennt man schnell, daß man eigentlich nix miteinander zu tun hat. Irgendwie ein Knacks zwischen den Geschlechtern", sagt sie und schaut träumend aus dem Fenster. Die Singles - annähernd 400 000 von ihnen gibt es allein in einer Großstadt wie Hamburg. Sie gelten als abenteuerlustig, selbstbewußt und risikobereit, als freiheitsliebend oder auch egozentrisch. Sie haben den Mut zum eigenen Leben. Sagt man. Die Realität ist anders. Im Single Milieu siedeln auch die heillos Ehegeschädigten, die Resignierten, die Schüchternen, die Bindungsunfähigen, ja Bitteren. Nicht nur das Abenteuer wuchert hier, auch die Depression. Sabine S : "Es ist ja nicht so, daß die Leute nicht mehr zusammenleben wollen. Sie können es nicht mehr "

Im Januar dieses Jahres verlautete Düsteres aus dem Bundesministcrium der Justiz: Der Trend "weg von der Ehe" sei besorgniserregend. Die innere Einstellung weiter Kreise der Bevölkerung zu Liebe und Ehe habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend geändert. Die Ursachen seien vielfältiger Natur und müßten sorgfältig soziologisch untersucht werden. Patentrezepte gebe es nicht.

Die Zahlen bestätigen solche Diagnosen. Mitte der siebziger Jahre wurde jede vierte Ehe geschieden - heute schon jede dritte. 1960 traten 500 000 Paare vor das Standesamt, 50 000 ließen sich scheiden - 1984 war das Verhältnis 364 000 zu 130000. Hochgerechnet müßten im Jahr 1990 auf drei Ehen zwei Scheidungen kommen; zur Jahrtausendwende wäre die Scheidung bereits für alle statistisch garantiert.

Nach einer Erhebung des Emnid Institutes gibt es heute mehr als viermal so viele "wilde Ehen" wie 1975 - über eine Million. In gleichem Ausmaß haben sich Zweit- und Drittehen mit oftmals schwierigen psychologischen Folgen für die Kinder vervielfältigt. Immer häufiger lehnen Frauen den Vater ihres (unehelichen) Kindes ab und geraten als Alleinerziehende in ökonomische Schwierigkeiten, wachsen Kinder in komplizierten Beziehungskonstellationen zwischen Wohngemeinschaft, wechselnder Partnerschaft und "Bezugspersonen" auf - Konstellationen, die weder juristisch noch psychisch zu entwirren sind.

Sittenverfall? Der Trend zur Ex- und HoppEhe? Seltsam allerdings: Für 84 Prozent der Bundesbürger ist es nach wie vor Existenzwunsch Nummer eins, "den Partner fürs Leben zu finden". Begriffe wie "Treue", "Zuverlässigkeit" und "Vertrauen", "Kontinuität" und "Verbindlichkeit" stehen auf den Skalen der Werteforscher hoch im Kurs - und das besonders bei der jungen Generation. Die "wilde Ehe", so beweisen die Untersuchungen, wird von ihren Protagonisten keinesfalls als Alternative zur Ehe verstanden, im Gegenteil: als deren Einübung. Kein formaler Druck soll das Erlernen der Bindung erschweren. Was früher Kontrakt und Zwang war, soll heute in Freiheit gedeihen - besser als mit staatlicher Sanktion. Die Jugend von heute ist durchaus bindungswillig: Im Jahr 1962 wollten 80 Prozent aller befragten Jugendlichen heiraten - heute sind es nur zehn Prozent weniger. Und fast alle Eheunwilligen wollen eine feste, verbindliche, treue Partnerschaft, wenn auch ohne Trauschein.

Ein Widerspruch also: die Ideale von Bindung und Sicherheit auf der einen, die Realität der Trennungen und Scheidungen auf der anderen Seite. Wo der Fortschritt steckenbleibt, bietet sich der Rückzug ins Althergebrachte an, die konservative Revolte, Heim und Herd, ein Familienbild ä la Reagans Amerika. Daß auch diese Restauration nicht vorankommt, liegt an den Frauen. Denn ohne ihre Stimmen kann heute keine Volkspartei mehr Wahlen gewinnen. Es scheint, als ob erst jetzt, nach dem scheinbaren Niedergang des Feminismus, die Forderungen der Frauenbewegung die Mehrheit der Frauen erreicht haben. Ein Beispiel nur: Gaben sich 1962 noch 65 Prozent der Frauen mit der Rolle als Nur Hausfrau und Mutter zufrieden, sind es heute noch ganze 23 Prozent.

Einen "Rollback" in alte Rollenmuster gibt es allenfalls unter den Männern. Vor einem Jahr stellte Allensbach einen Wandel bei den "Eheakzeptanzen" der jungen Generation fest. Auf die Frage "Halten Sie die Ehe grundsätzlich für notwendig", antworteten 45 Prozent der Männer im Alter von 16 bis 29 Jahren mit "ja". Jahrelang hatte die Zahl bei 30 Prozent stagniert. Viele junge Männer, bedroht von Arbeitslosigkeit und Zukunftssorgen, ersehnen die treusorgende häusliche Gefährtin.

Und die jungen Frauen? Sie werden zunehmend vor eine Wahl gestellt, die ihren Bedürfnissen zuwiderläuft: Nur Hausfrau sein oder arbeitslos. Hier öffnet sich die Schere zwischen Geborgenheits Sehnsüchten und SelbstverwirklichungsTräumen - und damit der Graben zwischen oen Geschlechtern. Der Geschlechterkrieg mag leiser geworden sein, aber er tobt unaufhörlich; mittlerweile fast mit Waffengleichheit. Die Emanzipation, eingeengt durch die ökonomische Krise, droht auf halber Strecke steckenzubleiben. Die "Krise der Ehe" ist nicht nur ein Problem der Psychen. Die "neue Partnerschaft" (wie immer sie aussehen mag) kann in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit schwer gedeihen.

Wie denkt man in Bonn über das Glück? Auskunft gibt Warnfried Dettling, Abteilungsleiter für Jugend, Zivildienst und "generelle Planung" im Bundesfamilienministerium. Dettling ist das "offene Ohr" des Hauses in Richtung auf neue soziale Bewegungen "Wir erleben da in der Tat einen dramatischen Wertewandel", sagt er "Und ich glaube, daß jede Politik, auch die reaktionärste, ihn allenfalls eine Weile blockieren könnte. Aufhalten läßt er sich nicht. Damit müssen wir leben Wie denn? Wird da nicht, im Namen der Wende, die Hausfrau und Mutter beschworen, die Familie als "Keimzelle des Staates" zu sehen? "Natürlich gibt es in der CDU immer noch einen christlich fundamentalistischen Flügel", sagt Dettling trocken, "Leute, die Werte Ideologien metaphysisch überhöhen. Ich glaube nicht, daß man auf diese Art Politik machen kann "

Die mobile, dynamische Mittelschicht der Städte, welche die Ehe kriseln läßt - ist sie nicht ebenso Klientel der Unionsparteien wie die katholischen Hausfrauen in Niederbayern? Leistung und Karriere, die Ökonomisierung des Lebens, die schließlich auch "immaterielle" Werte wie Treue und Familien beschädigt - sind diese modernistischen Werte nicht zuallererst im christdemokratischen Weltbild zu Hause? War es nicht gerade der ungehemmte Industrialismus, der die Familie auf ihren kleinsten und instabilen Kern schrumpfen ließ?

Dettling formuliert bescheiden und vorsichtig: "Man kann Werte nicht verordnen wie einem Rekruten den Helm. Aber man kann den Familien das schlechte Gewissen nehmen, man kann ihr Selbstbewußtsein stärken. Und verhindern, daß Kinder und Familie zum sozialen Stigma geraten, daß sich Paare mit Kindern nichts mehr leisten können "

Die Bundesregierung versucht, den Familien mit Geld zu helfen. Um 13 3 Prozent soll der Etat des Familienministeriums im kommenden Haushaltsjahr steigen. Erziehungsgeld (600 Mark im Monat) wird von 1986 an für je zehn Monate gezahlt: wahlweise an Vater oder Mutter. Die Stiftung "Mutter und Kind" verteilt Pauschalbeträge an schwangere Frauen, um Abtreibungen zu verhindern.

"Geld ist nicht alles", sagt Dettling. Und: "Die CDU weiß inzwischen, daß viele Probleme nicht von den Linken der siebziger Jahre verursacht wurden, sondern einfach vom höheren Bildungsniveau der Frauen anhängig sind Und: "Wertewandel oder Wertezerfall, darin liegt ja auch eine Chance "

Dettling sieht Anzeichen für einen historischen Kompromiß zwischen emanzipativen und- konservativen Wertsystemen: "Gerade im alternativen Milieu", sagt er, "wird ja intensiv nach Bindung, nach Kontinuität gesucht - eigentlich sehr konservative Werte. Aber die Glückserwartungen sind einfach unrealistisch hoch "

Hanna und Hans Martin B wohnen in einer norddeutschen Kleinstadt in einem Reihenhaus. Beide sind sechs Stunden täglich im Staatsdienst tätig. Sie haben zwei Kinder und einen Hund. Der Vorgarten ist ökologisch gepflegt, der Bekanntenkreis stabil, die Nachbarschaft intakt. Man geht im Abonnement ins Theater und teilt sich immer noch eine Seltenheit - die Hausarbeit. Man redet gerne, diskutiert viel, ist belesen.

Ein Idyll. Der Traum manches Partnerschaftsberaters. Dennoch geht die Rechnung nicht auf. Hanna und Hans Martin haben beide - sie verbergen es nicht - eine außereheliche Liebesbeziehung. "Vor drei Jahren", erzählt Hanna B, "haben wir festgestellt, daß wir uns nicht mehr lieben. Wir hatten uns zwar täglich eine Menge zu sagen, unsere Beziehung war offen und geklärt, aber die Leidenschaft war dahin. Also wollten wir uns, wie das so üblich ist, scheiden lassen, das Haus verkaufen und auseinandergehen "

Hans Martin B fährt fort: "Es wäre das klassische Modell gewesen. Nur hatten wir aber diese Existenz hier aufgebaut. Sollte das alles zum Teu:el gehen? Und die Kinder. Wir hatten das ja oft jenug im Bekanntenkreis gesehen. Irgendwann ist die große Liebe perdu, die Leute trennen sich, und sie schlüpfen gleich unter die Fittiche des nächsten Partners. Dann geht das große Spiel der Illusionen von neuem los "

Eifersucht? Da lächeln sie nur "Wir sind jetzt so gut befreundet, wie man es sich nur wünschen kann", sagt Hanna B "Jetzt gibt es wirklich eine Harmonie des Alltags, kein alltägliches Drama mehr, weil man die großen Gefühle ständig mit dem Abwasch vermischt "

Ganz anders Ingo und Vera K aus Hamburg. Sie stellen die Leidenschaft in das Zentrum ihrer Beziehung. Er ist Künstler, sie besitzt eine Boutique. Seit sechs Jahren sind sie verheiratet - glücklich. Sie sagt: "Wir lieben uns einfach zu heftig, um unser Leben im Alltag teilen zu können. Wir brauchen die Spannung, die Fremdheit, den Abschied und das Sich Wiederfinden. Aber die Heirat war wichtig. Sie war ein Signal, ein richtig altmodisches Treue Signal. Denn wir sind uns" uid dabei lacht sie fröhlich - "wirklich treu!" Er wohnt in einer Drei, sie in einer Zweizimnerwohnung. Distanz Luftlinie: mehr als zehn Kilometer. Er sagt: "Wir fahren zusammen in Urlaub, sind auch rast immer erreichbar füreinander. Aber wenn es nicht immer wieder diese Verliebtheit gäbe ich glaube, wir gerieten in eine Ehekrise. Und dagegen, daß die gemeinsame Wohnung die Leidenschaft tötet - dagegen ist kein Kraut gewachsen "

Zwei ungewohnte, sehr moderne Modelle. Sind sie realistisch? Oder wird hier nur ausgewichen, wird das Gefühl auf der einen, die Alltäglichkeit auf der anderen Seite einfach abgeschrieben? Drücken sich Ingo und Vera K vor "echter Partnerschaft"? Hat das Ehepaar B resigniert, oder müßte ihnen nicht wenigstens die partnerschaftliche Harmonie genügen? Zur "richtigen" Ehe, so heißt es, gehöre beides. Liebe und Alltag, Leidenschaft und Freundschaft.

Noch nie in der Geschichte war die Liebesehe ob mit oder ohne Trauschein - mit Ansprüchen und Hoffnungen so sehr befrachtet wie heute. Sinngebung und Sicherheit, aber auch Leidenschaft und Zärtlichkeit, Neugier und Spannung, Alltag und Abenteuer - all das soll in der Partnerschaft garantiert sein.

Erklärbar ist dies schon. Die Kinder des Wirtschaftswunders erlebten, wie in der "modernen Kleinfamilie" die Gefühle erkalteten, die Beziehungen stagnierten und zu bloßen Fluchtburgen vor der Realität wurden, zu ökonomischen Gemeinschaften. In einer verwalteten und technischrationalen Welt ist die Zweierbeziehung zur letzten Enklave der Gefühle geworden - kein Vaterland, kein Klassenbewußtsein, kein hehres Ziel mehr, das sie absorbieren könnte.

Im frühen Mittelalter hatten Liebe und Ehe nichts gemein. Die Liebe gehörte Gott allein; daß Menschen sich liebten, war schier unvorstellbar. Die Minne brachte eine Art Revolution: nun wurde die Liebes Emphase mystisch überhöht, adelige Frauen wurden vergöttert - aus der Distanz. "Vollzug" hätte den Tod der Liebe bedeutet. Noch im 17. Jahrhundert, so der Soziologe Niklas Luhmann, "hielten die Franzosen eine stabile Liebesbeziehung schlechterdings für unmöglich". Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde fast ausschließlich aus Vernunfts- und Standesgründen geheiratet. Allenfalls eine kurze Verliebtheit zu Beginn der Ehe galt als "natürlich".

All dies mag Unterdrückung und Frauenverachtung mit sich gebracht haben. Ein entscheidendes Problem konnten frühere Generationen aber vermeiden (von den Ausnahmen zeugt die Literatur): daß Liebe und Ehe identisch wurden und damit die Partnerschaft zum unauflöslichen Paradox geriet, dessen Konsequenz nur das Leiden sein kann.

Die Eheberater und Ratgeber für das Leben zu zweit mit ihrer "Pädagogisierung der Beziehungen", ihrer "Technik des gesunden Streitens", ihrer Hoffnung, daß durch aufgeklärte Vernunft partnerschafthche Harmonie zu erzeugen wäre rackern sie sich nicht nur an Symptomen ab? Werden hier nicht Hoffnungen auf ein Paradox gepfropft?

Könnte es sein, daß wir mit dem Paradox der romantischen Liebesbeziehung leben müssen, daß die "Liebe als Passion" (Luhmann) unvermeidbar ist? Daß die Liebe sich allen, auch den emanzipativen Lösungsmodellen, sperrt?

Vielleicht bedeutet das Leiden an der Liebe im Grunde Lebensqualität, eine Chance, sich zu spüren. Ist das Dilemma der Partnerschaft zwischen Leidenschaft und Kontinuität nicht ein Luxus, den wir uns leisten können und sollen?

"Ich bin", sagt Hilde F, eine 84jährige Rentnerin aus Düsseldorf, "meinem Mann nie von der Seite gewichen, all die 56 Jahre unserer glücklichen Ehe nicht Gezweifelt hat sie keine Minute, "denn dazu waren die Zeiten nicht". Aufbau einer bescheidenen Existenz in der Weimarer Republik, die Wirren des Zweiten Weltkrieges, die Anstrengungen des Wiederaufbaus "Ich", sagt die Witwe, deren Mann vor drei Jahren starb, "das bin eigentlich ich und mein Mann "

Es ist schön, ihr zuzuhören, wenn sie von dem geborgenen Leben, ihrer Ehe Symbiose durch mehr als ein halbes Jahrhundert erzählt "Aber verstehen", sagt Hilde F, "kann ich die jungen Leute manchmal schon. Man hat ja auch auf einiges verzichtet. Das ging gleich los. Kaum aus den Flitterwochen zurück, wurde die Schürze angezogen, und dann kam das Kind "

Anderseits: "Die jungen Leute dürfen sich nicht wundern, daß das immer schiefgeht heute, bei den Ansprüchen, die sie ans Leben haben! Das mit den Scheidungen und so, das wird erst wieder besser, wenn wieder einmal die Not kommt