Das 13. Schuljahr liegt den Unionschristen seit langem im Magen. Immer wieder mal taucht es als Thema auf CDU Parteitagen oder in sonstigen Diskussionen auf. Jetzt gibt die vom Bundeskabinett beschlossene Verlängerung des Bundeswehrdienstes den Christsozialen in Bayern Gelegenheit, über die Schule und die Schule der Nation laut nachzudenken. Vor allem aber über den Übergang von der einen zur anderen. Denn wenn der Bund künftig bereits im Frühjahr zu den Fahnen ruft, statt wie jetzt im Sommer, geht es nicht, daß die Herren Abiturienten bis zum Juni die Schulbank drücken. Also meinte die CSU Fraktion des Bayerischen Landtages, sollte das letzte Vierteljahr des verflixten Dreizehnten besser wegfallen! Einen parlamentarischen Antrag gibt es zwar noch nicht, aber eine "grundsätzliche Entscheidung", die da hinter den Klostermauern von Banz gefällt wurde. Kultusminister Maier wurde beauftragt, mit dem Bundesverteidigungsminister darüber zu sprechen. Der, wenn auch nur angekündigte, bayerische Alleingang setzt die anderen Bundesländer gehörig unter Zugzwang. Die haben es vielleicht schon deshalb schwieriger als der Freistaat, weil sie nachhinken, denn - wie der hochschulpolitische Sprecher der CSU Fraktion, Erich Schosser, versichert - "das bayerische Abitur ist das beste". Allenfalls gesteht er den Baden Württembergern und dem Saarland weiß blaues Niveau zu. Ob die anderen drei Monate Schulzeit weniger in Kauf nehmen wollen, ist aber in jedem Fall noch unentschieden.

Die Konferenz der Kultusminister der Länder hat sich offiziell noch nicht gerührt, dafür haben mdere protestiert. Der Deutsche Philologenverband zum Beispiel. Er sieht in dem CSU Vorschlag - auch wenn er sich nach Schosser noch "in ätatu nascendi" befindet - einen Grund zu "besonderer Verärgerung". Die eher konservative Standesorganisation der Gymnasiallehrer warnte, daß das 13. Schuljahr zur "Substanz des Gymnasiums" gehöre, und daß Ausbildungsziel und Ausbildungsdauer ah einer Schulform geschützt werden müßten. Schützenhilfe erhielt der Verband von links: Für den bayerischen GEW Landesvorsitzenden Peter Kurz ist es ein Rätsel, wie durch Verkürzung der Schulzeit, und wäre es nur ein Vierteljahr, die von den Hochschulen geforderte Studierfähigkeit erhalten werden soll. Die Spitzenstellung des bayerischen Abiturs außer acht lassend, beharrte er darauf, daß es sich bei den letzten Monaten der Schulzeit um die am intensivsten beanspruchte Zeit handelt. Auch in Bayern. Für seine Gewerkschaft jedenfalls sind die CSU Überlegungen ein erklärter Beweis, "wie wichtig der CSU Bildung ist". Landtagsfraktion und Ministerpräsident zeigen sich jedoch unbeeindruckt. Auch die Schweizer und die Österreicher gingen schließlich nur zwölf Jahre zur Schule.

Leiser Gegenwind kommt vom unionsnahen Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS). Zwar findet er auch ein Dutzend Schuljahre genug, doch gehe es nicht an, daß die Verteidigungspolitiker den Bildungspolitikern die Dauer der Schulzeit vorschrieben: Ob man das nicht vermeiden könne? Wolf gang Thiele