Die Landegebühren für einen einzigen Jumbo sind so hoch wie der Preis für ein Auto der gehobenen Mittelklasse.

Wenn Vertreter von Luftfahrtgesellschaften auf die Kosten für ihre teuren Jets zu sprechen kommen, dann fehlt ein Posten in der Klageliste nie: die Gebühren der Flughafenverwaltungen. In einem mehrere hundert Seiten starken Abfertigungshandbuch wird den Airlines vorgerechnet, was und wieviel für jeden Handgriff zu zahlen ist, wenn die Jet-Räder erst einmal die Betonpisten berührt haben. Dabei teilen sich die Gesamtkosten in drei Hauptkomponenten auf. Peter Flugbeil, Leiter der Abteilung "Flugzeugabfertigung" bei der "Flughafen Frankfurt/Main AG" (FAG): "Da sind einmal die Landegebühren pro Tonne maximalen Startgewichts, dann die Gebühren, die pro Fluggast zu zahlen sind, und dann die Kosten für die Abfertigungspauschale. "

Die Rechnung der FAG für eine Boeing 747 (Jumbo), (maximales Startgewicht 363 Tonnen, 380 Sitzplätze), sieht so aus: Die Landegebühren (363 Tonnen mal 18,60 Mark pro Tonne) betragen 6751,80 Mark. Hinzu kommen bei einer angenommenen Auslastung von 100 Prozent 4503 Mark, die Summe, die sich aus der Multiplikation von 380 Sitzplätzen mit der Gebühr pro Passagier von 11,85 Mark ergibt. Die Abfertigungspauschale beträgt bei der Jumbo-Version "bis 390 Sitze" 7357 Mark. Darin sind unter anderem enthalten: Bremsklötze anlegen, Stromversorgung des Flugzeugs am Boden, Entladen von Gepäckstücken, Frachtgut und Post, Kabinenreinigung, Toilettenentleerung, Auftanken mit Wasservorräten, Gepäcktransport, Palettieren von Frachtgut und so weiter. Die Kosten für dieses Dienstleistungspaket variieren je nach Flugzeugtyp. Aber in Landegebühren, Passagier- und Abfertigungspauschalkosten erschöpft sich das Inkasso der FAG noch nicht. Als Standardgebühr bei jeder Landung müssen die Fluglinien für die Fluggastbrücke ("Finger") oder für die Benutzung eines Flughafenbusses zum Transport der Passagiere zum Flughafengebäude nochmals 614 Mark berappen, wenn es sich um die bereits erwähnte Boeing-Version handelt. In der Regel fallen zusätzliche 133 Mark für den "push out" an, dann nämlich, wenn die Jets von Schleppern in die Position gezogen werden, von wo aus sie dann selbst und aus eigener Kraft weiterrollen können. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Flughafengesellschaft von den Luftfahrtunternehmen allein für die erwähnten Dienstleistungen sowie an Gebühren knapp 20 000 Mark kassiert, aber nur, wenn es sich um die umweltfreundliche Boeing-747-Version handelt: Lautere Triebwerke kosten auch mehr Geld, sozusagen "ein Strafzuschlag für stärkere Umweltbelastung" (so Peter Flugbeil von der FAG).

Im Vergleich zum Riesen-Vogel 747 sind die kleineren Boeing-Ausführungen spottbillig. So kassiert die FAG im innerdeutschen Verkehr für die Boeing 737-200 bei einem maximalen Startgewicht von 50 Tonnen und 109 Sitzplätzen pro Tonne 14,20 Mark und pro Passagiernase 2,90 Mark. Das ergibt zusammen rund 1026 Mark. Als Abfertigungspauschale sind für die B-737 in der gestreckten Version 1434 Mark zu zahlen, plus 219 Mark Flughafenbus- oder Fluggastbrückegebühren, plus 133 Mark für den "push out".

Im grenzüberschreitenden Verkehr bleiben für die B-737 die Abfertigungsgebühren gleich, aber die Kosten pro Tonne maximalen Startgewichts und pro Passagier steigen: von 14,20 auf 19,45 und von 2,90 auf 11,85 Mark. Diese Beträge gelten allerdings auch nur für die umweltfreundliche B-737-Version.

Bei solchen Preisen und Kosten wundert es nicht, daß die FAG ein kerngesundes Unternehmen ist und die Airlines-Vertreter stöhnen. Für sie ist es kein Trost, daß andere europäische Flughäfen, London zum Beispiel, noch höhere Gebühren verlangen. Rainer Schauer