Die Wiederkehr des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima

Von Karsten Witte

Das Ka-Theater in Amsterdam inszeniert ein Spiel vom Leben und Sterben des Mishima. Maurice Béjart in Brüssel Choreographien dessen „Fünf moderne No-Spiele“. Paul Schrader in Hollywood widmet ihm einen Film. Arno Breker illustrierte Mishimas Buch „Der Junge, der Gedichte schreibt“. In München erscheinen Mishimas letzter Roman „Schnee im Frühling“ und der Essay von Marguerite Yourcenar „Mishima oder Die Vision der Leere“.

Fünfzehn Jahre nach seinem gewaltsamen Tod kehrt der japanische Schriftsteller in die Öffentlichkeit zurück: als Kunstfigur des eigenen Mythos, auferstanden, als sei sonst nichts gewesen. Mit erstaunlicher Gleichförmigkeit bilden die Bücher, der Film und das Theater Mishima als den starken Mann mit gezogenem Langschwert ab. Aus dem Schriftsteller ist ein Kämpfer geworden, der sich mit blankem Oberkörper der Welt entgegenwirft. Das Kostüm der intellektuellen Freibeuter hat anscheinend ausgedient. Jetzt treten die Krieger auf den Plan.

Das Ka-Theater in Amsterdam, mit Stücken von Artaud, Genet und Arrabal bekannt geworden, spielt in einem versteckten Saal. Fünf Stockwerke muß das Publikum spätnachts erklimmen, ehe es sich auf Brettern und Stahlrohren niederläßt. Die Szene ist karg. Eine Trommel und ein hart klingendes Schlagholz leiten die Vorstellung mit den Signalen der Kabuki-Tradition ein. Aus Plexiglaswänden, die ebensogut einen Brutkasten wie einen Strandpavillon bezeichnen könnten, fallen zwei Männer nackt auf die Knie und erstarren, wie von Lava überrollt, in einer Umarmung. Fällt man so in die Welt oder aus ihr heraus? Als sich die Männer erheben, spannt sich zwischen ihnen eine gewaltige Nabelschnur.

„Der Krieg vorbei, die Chance zum Heldentod verpaßt“

Mishima und sein. Kampfgefährte waren einander nicht nur als Überzeugungstäter im Selbstmord verbunden. Sie waren, als sei es so vorherbestimmt, sich leiblich zugetan. Viel Spielraum zu eigener Bewegung bleibt da auf der Mitternachtsbühne nicht. Das zeigt ein groteskes Schattenballett mit dem Gummischlauch, der die Tänzer verbindet. Mishima, dieser martialische Muttersohn, kam vom Mann nicht los. Er durchtrennte die Nabelschnur, um Autonomie im Tod zu finden.