Gute Erfahrungen hat Bhutan mit seiner restriktiven Tourismuspolitik gemacht. Aber auch die deutschen Reiseveranstalter sind zufrieden.

Die Art, in der Bhutan seinen Fremdenverkehr organisiert hat, kann Ländern als Beispiel dienen, die über Umweltschäden und Beeinträchtigungen ihrer traditionellen Lebensweise durch den Tourismus klagen.“ So das Ergebnis einer Studie, die Brian Shaw von der Universität Hongkong über das kleine Königreich im Himalaya anfertigte und über die er jetzt im Far Eastern Economic Review berichtete. Bhutan versucht, den Tourismus mit geringen Steigerungsraten zu entwickeln und nur schrittweise neue Landesteile zugänglich zu machen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl aller Besucher bei 1900. Regulativ ist der Preis: Bhutan fordert von jedem Touristen 130 US-Dollar täglich.

Bhutan öffnete erst 1974 seine Grenze, seither besuchten erst insgesamt 7800 Urlauber den Hochgebirgsstaat Anfangs durften nur die Hauptstadt Thimpu und die Städte Phuntsholing und Paro besichtigt werden, erst 1978 wurden weitere Landesteile im Westen zugänglich gemacht, berichtet Shaw. Bislang wurden nur Gruppen akzeptiert, die unter einheimischer Führung eine festgelegte Route einhalten mußten. Seit 1983 werden auch individuelle Einreisegenehmigungen erteilt, aber auch diese Einzelreisenden werden zu Gruppen zusammengefaßt und dürfen nur unter Führung Weiterreisen.

Das gilt auch für Bergwanderer und Bergsteiger, letztere werden gesondert zur Kasse gebeten: Sie zahlen pro Person und Tag 85 US-Dollar zuzüglich einer Gebühr für die gesamte Seilschaft. Diese liegt zwischen ein- und fünftausend Dollar, je nach Höhe des Berges und der Zahl seiner Vorbesteigungen. Nur alle zwei Jahre wird ein zusätzlicher Berg zum Aufstieg freigegeben.

Die meisten Touristen, 31 Prozent, kamen in der Vergangenheit aus den USA, die Deutschen stellten die zweitstärkste Gruppe mit 26 Prozent, gefolgt von den Japanern mit 18 Prozent. In jüngster Vergangenheit haben sich die Zahlen allerdings verschoben, deutsche Gäste stehen derzeit wohl an erster Stelle, die Amerikaner dürften auf Rang drei abgerutscht sein. Nur drei deutsche Reiseveranstalter stellen Bhutan-Touren zusammen: Marco Polo, dessen Chef Wolfgang Schwotzer sich besonders stark engagiert für das kleine Königreich, Ikarus und Indoculture. Die Veranstalter Studiosus und Klingenstein bedienen sich der Angebote von Marco Polo. Die Firma, die allein ein Sechstel aller Bhutanreisenden weltweit befördert, wird im nächsten Jahr zwanzig Seiten ihres Katalogs dem Königreich widmen.

Für Ikarus-Geschäftsführer Horst Kitzki sind die Behörden in Bhutan zuverlässige und kompetente Partner, die sich als sehr flexibel erweisen. Er bedauert allerdings, daß sich auf Grund der hohen Tagesraten viele Studienreisende, die ernsthaft am Buddhismus und Lamaismus interessiert sind, Bhutan-Reisen nicht leisten können: „In der Nebensaison sollten die Raten, jetzt 90 Dollar, noch weiter gesenkt werden.“ Wolfgang Schwotzer stimmt ihm zu: „Es gibt wohl eine Bereitschaft, den Nebensaisonpreis zu senken.“ Das gilt für die – klimamäßig schlechteren – Monate Dezember bis Februar, Juni und September. „Sechzig Dollar täglich wären dann eine gute Rate“, meint Schwotzer. In der Tat, denn dann würden Bhutan-Trips vielleicht auch etwas von ihrem jetzigen Snob-Appeal verlieren. K. V.