Wo Fliegen dem Vorortverkehr im Rumpelbus immer schon am nächsten war, auf den kurzen Strecken zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin, ist jetzt der Luxus eingekehrt, zumindest das, was Luftlinienmanager unter der Gattung „Business Class“ als Sonderzuwendung an ihre Passagiere verheißen.

Clipper Class“ nennt die Pan Am ihre Offerte für ferneres Fliegen, „Club Class“ heißt dasselbe auf britisch und „Classe Affaires“ bei den Franzosen.

Daß derlei Geschäftsfreundschaft ihren Preis hat, ist klar. Je nach Strecke zwischen 16 und 56 Mark. Dafür gibt es, je nach Tageszeit, ein Frühstück oder einen Imbiß, stets kalt, wie man es angesichts der kurzen Flugzeiten auch nicht anders erwarten kann. Dazu rinnen französische Weine in echte Gläser, wer’s spritziger wünscht, erhält Sekt. Nur die Grande Nation serviert Champagner.

Air France und British Airways plazieren ihre Aufpreispaxe zwar im vorderen Teil der Kabine, aber auf denselben Sesseln, Pardon, Sitzen, wie sie hinten der Masse der Normalpreis-, Sonderpreis- und Stand-by-Preisflieger zugedacht sind. Die Franzosen (die täglich ein bis drei Hin- und Rückflüge zwischen Düsseldorf und Tegel anbieten) setzen ihre gehobene Fracht allerdings farblich ab von der Schar der Durchschnittsflieger – auf roter Polsterung. British Airways betont die Klassengesellschaft an Bord durch einen trennenden Vorhang, der je nach Buchungslage mehr oder weniger Sitzreihen zur Clubklasse macht. Allerdings bemühen sich die Engländer, jeweils den Mittelsitz einer Dreiergruppe freizulassen, um ihren Klassenbesten mehr Ellenbogenfreiheit zu geben. Aber eine Garantie gibt’s dafür nicht, bei entsprechender Nachfrage werden auch die Mittelplätze besetzt.

Das kann einem bei Pan Am nicht passieren. Die Amerikaner bieten ihre Clipper Class nur in den Airbus-Maschinen und in den relativ großen 727-200-Modellen von Boeing an, mit denen sie von Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart an die Spree fliegen. In der Business Class der Großraumflugzeuge stehen je Reihe nur sechs Platze in drei Sitzpaaren zur Verfügung, in der Boeing zwei Sitzpaare je zwei Plätze. Die kleinere Boeing 737 der Pan Am fliegt ohne Business Class, die Linie strebt aber an, alle 737 im Berlinverkehr durch die 727 zu ersetzen.

Die Geschäftsreise-Klassen erfreuen sich bei den Passagieren zunehmender Beliebtheit, ein Trend, den auch British Airways und Air France bestätigen. Daß dieses Programm die erhoffte Zielgruppe erreicht, zeigt die Verteilung der Buchungen: An den Geschäftsreisetagen der Woche sind diese vorderen Sitze gut gebucht, am Wochenende geht die Nachfrage nach diesen teureren Plätzen deutlich zurück (die Luftlinien hoffen auf. touristische Pauschalangebote für „Luxuswochenenden in Berlin).

Das Buchungsbild zeigt aber noch eine weitere Eigenheit deutscher Geschäftsleute: Die Schwaben fliegen sparsam, auch wenn’s auf Firmenkosten geht. In Stuttgart verkauft sich die Berlin-Business-Class am schlechtesten. K.V.