Von Thomas von Randow

Sie haben ihre vielfältigen Aufgaben brillant gemeistert, mit Fleiß, Einfallsreichtum, ja, mit Hingabe. Das Lob, mit dem sie während des Fluges überschüttet wurden, haben die Wissenschaftsastronauten Ernst Messerschmid, Reinhard Furrer und Wubbo J. Ockels wahrlich verdient. Hat sich ihre Mühe gelohnt? Und haben wir Bundesbürger die 402 Millionen Mark, die das Unternehmen D1 gekostet hat, gut angelegt? Ist es ratsam, für die von Forschungsminister Riesenhuber angekündigte Raumfahrtmission D2 noch einmal so tief in die Tasche zu greifen?

Eine Antwort ist schnell gegeben: Wer „A“ sagt, muß auch „B“ sagen. „A“ sind die Milliarden, die wir in unsere Beteiligung an der Raumfahrt gesteckt haben. Doch sind Experimente, die Menschen in einer um den Erdball kreisenden Röhre ausführen, das sinnvollste „B“?

Die europäische Raumfahrt hatte mickrig begonnen, mit der „Europa-Rakete“, die nicht einen einzigen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen vermochte. Erfolgreich waren hingegen die europäischen Erdsatelliten, die mit amerikanischen Trägern ins All befördert wurden, darunter die in Deutschland entwickelten Forschungsgeräte „Azur“ und „Helios“. Raketen der US-Weltraumbehörde NASA setzten in den siebziger Jahren auch zwei französisch-deutsche Nachrichtensatelliten der Serie „Symphonie“ an den Himmel. Die Verhandlungen über diese Starthilfe der Verbündeten zeigte deutlich, wo die Freundschaft ihre Grenzen hat. Nur die nichtkommerzielle Nutzung der Kunstmonde wurde den Europäern gestattet.

Die Lehre, die Europa daraus gezogen hat, heißt „Ariane“, eine zuverlässige Euro-Rakete, die zum ernsten Konkurrenten für den Space Shuttle werden kann. Als Träger für ein bemanntes Raumlabor ist sie durchaus geeignet, und so soll sie auch eingesetzt werden, allerdings für ein vorerst rein französisches Projekt, „Hermes“.

Die Bundesrepublik jedenfalls hat sich bisher gegen diesen Himmelsboten entschieden. Sie war schon für „Spacelab“ und damit für die Abhängigkeit von der NASA verpflichtet. Den Vorteil dieser Entscheidung haben wir sieben Tage lang am Fernsehschirm vorgeführt bekommen. Heute und nicht erst im nächsten Jahrtausend sind wir dabei, mit einem in Bremen vorzüglich konstruierten Allzweck-Raumlaboratorium, in dem ein deutschholländisches Team 75 Experimente, darunter 45 von deutschen Forschern erdachte und überwachte, ausgeführt hat.

Der Nachteil ist bei dem Spektakel fast in Vergessenheit geraten – unser immerhin zweieinhalb Milliarden Mark teures Labor wurde den Amerikanern geschenkt. So muß man es wohl nennen; denn der Freiflug für unseren ersten Astronauten, Ulf Merbold, vor zwei Jahren, ist als Gegenleistung weniger als „ein Appel und ein Ei“. Wirtschaftler kennen dafür eine Metapher: Über den Tisch gezogen haben uns die Amerikaner. Abgesehen davon ist ihr Raumfahrpreis von 170 Millionen Mark recht happig.