Walter Kapaun, der erste Vorsitzende der Gesellschaft, findet nicht minder harte Worte, um den Bruch zu begründen: "Frau Feger konnte organisatorisch überhaupt nicht überzeugen." Im Bewilligungsbescheid des Bundesbildungsministriums für den "Modellversuch Beratungsstelle" allerdings sind die Zuständigkeiten auch ganz anders verteilt: "Die organisatorische Abwicklung", heißt es dort, "obliegt der Trägergesellschaft."

Als die Dissonanzen ruchbar wurden, hatte Bonns Bildungsministerin, Dorothee Wilms, noch versucht, zwischen den Streitenden zu vermitteln, hatte sie zur "Schadensbegrenzung" ermahnt und betont, es gehe schließlich um die Sache der Begabtenförderung – das Thema, das sie medienwirksam zu dem ihren gemacht hat. Ohne Erfolg. Als der Bruch nicht mehr zu kitten war, drohten Kapauns Leute, notfalls vor Gericht zu ziehen, um für seine Gesellschaft den 500 000-Mark-Etat aus Bonn zu bekommen.

Für Wieczerkowski, auf dessen Initiative die Beratungsstelle zustande kam, war die Moorweidenstraße nicht mehr zu retten, sein Berater-Team – mit Ausnahme von Barbara Feger, die nur am Wochenende nach Hamburg kommt – arbeitet jetzt in Büros und Seminarräumen der Hamburger Universität, weil woanders kein Platz ist. "Da gibt es bei vielen Ratsuchenden erhebliche Schwellenangst", glaubt Wieczerkowski, "besonders bei denen, die die Beratung am dringendsten brauchten."

Er gründete für sein altes Konzept kurzerhand einen neuen Verein, die "Gesellschaft für Begabungsforschung und Begabtenförderung", denn: "als eingetragener Verein haben wir bessere Chancen, unsere Arbeit auch langfristig weiterführen zu können".

Sein ehemaliger Mitstreiter und heutiger Gegenspieler Walter Kapaun hat für die Beratungsstelle in der Moorweidenstraße inzwischen eine neue Mitarbeiterin gefunden. Nun haben Hamburgs Begabte die Qual der Wahl.