China – oder das Phänomen eine Reise zum Anlaß zu nehmen, von anderen Reisen zu berichten

Von Heike Warth

Unser Ziel: China. Wir entscheiden uns für das Pauschalangebot eines Reisebüros mit chinesischem Inhaber („Der muß ja etwas davon verstehen“) und finden uns einige Monate später in einer zwanzigköpfigen Reisegruppe auf dem Frankfurter Flughafen wieder, um von dort unser Zwischenziel Moskau anzufliegen. Von Moskau soll es dann mit dem Zug nach Peking weitergehen.

Wir hatten Reiseteilnehmer in unserem Alter, also zwischen dreißig und vierzig, erwartet und müssen jetzt feststellen, daß wir mit Abstand die Jüngsten sind. Die Mehrzahl ist über sechzig und mit einer Rente ausgestattet, die ein Reisen der oberen Kategorie ermöglicht – und zwar mit nur kurzen Zwischenaufenthalten zu Hause, wie wir bald den Eindruck haben.

Noch sagen uns Namen und Gesichter nicht viel, und vom Wesen der Pauschalreise ahnen wir noch wenig. In Moskau bekommen wir eine erste Kostprobe. „Das schmeckt genauso wie auf der Krim.“ Kein großes Wunder. „Von New York nach Washington fahren Sie genauso lang.“ – „Casablanca, Honduras, die Fijis...“ Und vor allem: „Vor fünfundvierzig Jahren in Moskau ...“ Das wird uns vier Wochen lang verfolgen.

Erste Enttäuschung: aus der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn wird zunächst einmal nichts – irgendeine Genehmigung fehlt. Das heißt, wir werden zunächst nach Peking fliegen und dann, mit etwas Glück, mit dem Zug zurückzufahren.

„In Kenia, in Birma, auf der Rückfahrt von Anatolien ...“ – „Das hat es doch in Thailand, Hongkong, Sri Lanka auch (wahlweise: auch nicht) gegeben.“ Wir sammeln die Reiseländer unserer Gefährten wie andere Leute Briefmarken. Die Karibischen Inseln und Neuguinea sind frühzeitig dabei, aber wir müssen lange auf Australien verzichten und schließen die ersten Wetten ab. Ich überlege, ob ich Indien ins Gespräch werfen soll, lasse es aber. Willi, mein Gefährte, hat Europa noch nie verlassen und geniert sich ein bißchen.