Vanessa Redgrave in David Hares „Wetherby“: Frust und Suizid im Intellektuellen-Landhaus.

„Der Smaragdwald“: malerisches Indianerabenteuer im brasilianischen Dschungel.

Vanessa Redgrave spielt in „Wetherby“, dem ersten Film des englischen Theater- und Drehbuchautors David Hare, eine Lehrerin, in deren Schicksal, folgt man Hares Äußerungen, sich der ganze desolate Gemütszustand Englands widerspiegelt. Die düstere Wirtschaftslage sei, meint Hare, nur ein Teil der „englischen Krankheit“, deren andere Seite ein allgemeiner Gefühlsnotstand darstelle – „wir leben seit Jahren mit unterdrückten Emotionen, die wir gleichsam wie in einer luftdicht verkorkten Flasche umherschleppen“.

Der Korken fliegt bei Jean, der gehemmten, frustrierten Lehrerin, durch einen rätselhaften Gewaltakt heraus. Ein Student, den sie kaum kennt, begeht in ihrem idyllischen Cottage auf dem Land blutrünstig Selbstmord. Während sie ahnungslos vor ihm steht, im Begriff dem Fremden gastfreundlich eine Tasse Tee zu reichen, schießt er sich vor ihren Augen eine Kugel in den Mund.

Dieser ominöse Pfropfen aber, der die Gefühle zurückhält und alle menschlichen Regungen erstickt, kollert nur gerade mit einem müden Plop heraus, und es ist klar, er wird schnell wieder drauf sein, um alles einzusperren, was durch jenen brutalen Selbstmord kurz zum Ausbruch und Ausdruck kam.

Hares „Wetherby“ ist interessant, weil der Film zu dem im Aussterben begriffenen Genre des intellektuellen Problemmelodrams gehört. Gleichzeitig ist er ärgerlich, weil sich sein Intellektualismus nervend im Kreise dreht.

„Wetherby“ ist das (für manche vielleicht noch spannende und lehrreiche) Dokument einer intellektuellen Impotenz, vital zu sein, und der Unfähigkeit oder wahnhaften Weigerung, es mit der Welt und den Menschen wenigstens gelegentlich noch gut zu meinen. Die Botschaft, die aus „Wetherby“ spricht, daß es für keinen mehr eine Chance gibt, sich menschlich zu verwirklichen, daß wir nur noch Karikaturen, Seelenkrüppel, Unerfüllte, Düpierte und Verrückte sind, ist vielleicht mittlerweile das größte und bequemste Klischee.