Das Thema einer Verbindung der Bayerischen Motorenwerke mit Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) ist nach wie vor „heiß“. Zwar hatte erst vor einer Woche BMW-Chef Eberhard von Kuenheim ein mögliches Interesse an dem Luft- und Raumfahrtkonzern heruntergespielt. Aber daß zwischen ihm und dem bayerischen Finanzministerium Vorgespräche stattgefunden haben, und daß man weiter in Kontakt steht, wird im Hause von Minister Max Streibl – er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender von MBB – jetzt bestätigt.

Der bayerische Staat möchte sich zwar nur ungern von seinem Anteil von rund 24 Prozent bei MBB trennen. Aber wenn die beiden Mitgesellschafter Hamburg und Bremen mitzögen, wäre man bereit, BMW als neuen industriellen Partner zu gewinnen. Vorstellbar ist, daß BMW die Anteile von Bayerischer Vereinsbank und Dresdner Bank (jeweils fünf Prozent), Allianz (4,6 Prozent), Bosch (4,4 Prozent) und Thyssen (4,6 Prozent) übernimmt. Ideal wäre, wenn Bayern und BMW zusammen auf die Mehrheit kämen. Dies ist aber schwierig, denn Bremen hat eine Option auf die 6,2 Prozent, die bei Krupp liegen.

Falls Bremen diese Option nutzt, so wäre die öffentlich-rechtliche Mehrheit aus Bayern und den beiden Hansestädten komplett. Mit solch einer Mehrheit möchte Kuenheim auf keinen Fall konfrontiert werden. Es müßte München also gelingen, die beiden Stadtstaaten davon zu überzeugen, daß sie im Interesse eines „Wunschpartners“ BMW einige Prozente abgäben.

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Als Hans-Erdmann Schönbeck im April 1981 in Tokio mit BMW-Japan die erste eigene Vertriebstochter eines ausländischen Autoherstellers in Nippon aus der Taufe hob, wagte der damalige BMW-Vertriebschef eine mutige Prognose. BMW werde frühestens 1988, aber spätestens bis zu Ende des Jahrzehnts jährlich zehntausend Käufer in Japan finden.

Presse und Fachleute in Tokio blieben skeptisch, hatten die Münchner 1980 doch gerade 3187 Modelle an den Mann gebracht. Selbst Schönbeck bereute anschließend, sich derart auf Erfolg festgelegt zu haben. Der kam dann jedoch noch schneller als vorhergesagt. Am 7. November, gut drei Jahre früher als in Schönbecks kühnen Träumen, konnte die wohlgeratene Tochter Vollzug nach München melden: Seit Jahresbeginn wurden erstmals 10 000 blau-weiße Limousinen in Japan verkauft. Freuen sich Yoji Hamawaki und Lüder Peysen, das japanisch-deutsche Doppel im Topmanagement der Erfolgstochter: „1985 werden wir 11 600 Käufer für BMW in Japan sehen.“

Allerdings gehen nur rund siebzig Prozent der Japanverkäufe durch die Bücher der BMW-Tochter, der Rest aufs Konto grauer Importeure. „Im nächsten Jahr werden etwa 14 000 BMW-Neuzulassungen erwartet“, schätzt Peysen und meint: „Davon werden mindestens 10 000 über unsere Niederlassung verkauft.“