„Mehr Schaden als die Erdbeben kann Mexiko die falsche Einschätzung ihrer Folgen bringen“, befürchtet das mexikanische Tourismusministerium und schickte seine Vertreter nach Deutschland, um klarzustellen: In sämtliche Reisezielen herrscht „normaler Betrieb“.

Nach den schweren Beben vom 19. und 20. September vermittelten die Schreckensbilder hierzulande den Eindruck, große Teile Mexikos lägen in Trümmern. Demgegenüber betont das Staatliche Mexikanische Verkehrsamt, einzig Mexiko-Stadt und Ixtapa/Zihuatenejo seien betroffen, und selbst dort blieb die touristische Infrastruktur im wesentlichen intakt. Die panamerikanische Gesundheitsorganisation schreibt keine Impfungen für Mexiko-Reisende vor, da nirgends Seuchengefahr besteht. Alle 53 für Düsenmaschinen geeigneten Flughäfen des Landes sind in Betrieb, Straßen- und Bahnverbindungen funktionieren. Mexiko versichert, alle Reisenden könnten „jederzeit bequem, ungehindert und ohne Unterbrechung sämtliche touristische Reiseziele erreichen“, und zwar mit allen Verkehrsmitteln wie bisher. Auch die Fußballweltmeisterschaft, die vom 31. Mai bis 29. Juni nächsten Jahres in neun Städten ausgetragen werden soll, ist gesichert.

Das Staatliche Mexikanische Verkehrsamt in Frankfurt (Wiesenhüttenplatz 26, Tel. [0 69] 25 34 13 und 25 35 41) hält Listen der zerstörten und beschädigten touristischen Einrichtungen bereit. Danach arbeiten von den 507 Hotels in Mexiko-Stadt 393 normal, so daß das Zimmerangebot zu gut 80 Prozent (28 358) erhalten geblieben ist. Nach Restaurierungsarbeiten sollen demnächst weitere 5 500 Zimmer zur Verfügung stehen. Da nur knapp zwei Prozent der Hauptstadt von den Beben betroffen sind, blieben die wesentlichen Sehenswürdigkeiten und typischen Stadtteile unbeschädigt. So der Platz der drei Kulturen, der Zócalo mit Nationalpalast, großem Azteken-Tempel, Kathedrale und Rathaus. Von 130 Restaurants im Erdbebengebiet bleiben 119 geöffnet, 52 von 61 Museen sind unversehrt, darunter das Nationalmuseum für Anthropologie, neun archäologische Zonen und 1727 Monumente aus der Kolonialzeit sind zu besichtigen.

Während Telegramm- und Telexnetz wieder funktionieren, machen die Telephonverbindungen noch Schwierigkeiten. 60 Prozent der Leitungen sind wiederhergestellt, doch Ferngespräche im In- und Ausland werden voraussichtlich erst Mitte Dezember wieder im gewohnten Umfang möglich sein.

In Ixtapa/Zihuatenejo, dem Badeort am Pazifik, hat die Naturkatastrophe drei von 36 Hotels zum Schließen gezwungen. Eines davon wird bereits im Dezember wieder eröffnen.

Im Gegensatz zu Reisenden anderer Nationen haben die Deutschen sich wenig von den Folgen der Erdbeben schrecken lassen. Reiseveranstalter melden kaum Absagen.

Für 1985 rechnen die mexikanischen Behörden infolge der Erdbeben mit einem Rückgang des Reisegeschäfts von insgesamt zehn Prozent. Barbara Lehnig