Ist Beethovens Neunte Lärm? Musikliebhaber mögen das bestreiten. Doch wenn Nachbars halbwüchsiger Sohn Abend für Abend die Stereo-Anlage voll aufdreht, um stundenlang Rod Steward oder Prince zu hören, werden auch sie genervt zum Telephon greifen und erstens um Drosselung der Lautstärke und zweitens um ein zeitliches Limit für die unerwünschte Musikberieselung bitten.

Was kann man da verlangen? Welcher Lärmpegel ist erlaubt? Gibt es zeitliche Grenzen fürs Musikhören im Mehrfamilienhaus?

Für den passiven Musikkonsum läßt sich das Problem leicht durch Anschaffung eines Kopfhörers entschärfen. Wenn aber einer mit Passion Klavier übt oder Trompete bläst oder Schlagzeug spielt, führt der nachbarliche Konflikt nicht selten vor Gericht. Aufgabe der Richter ist es dann, aus den allgemeinen Gesetzesbestimmungen über den Nachbarschutz konkrete Grenzen abzuleiten.

Schon vor Jahren entschied das Oberlandesgericht in Hamm, was Nachbarn zu ertragen haben:

1. Mindestens zwei Stunden Musik täglich, egal, ob sie ihnen gefällt oder nicht.

2. Wechselnde Spielzeiten tagsüber, weil das Musizieren von der „jeweiligen Gemütsverfassung“ des Spielers abhängig sei.

3. Musik auch an den Wochenenden, weil Berufstätige sonst benachteiligt wären.