Von Andreas Flitner

Ravensburger Hauptschüler bauen, zusammen mit ihrem Lehrer, ein Marionettentheater, modellieren und kleiden die Puppen, schreiben Stücke und bilden sich zu virtuosen Marionettenspielern aus, die in anderen Schulen und Veranstaltungen auftreten und ihren Ulk und ihre Weisheit zum besten geben.

Zusammen mit der jüdischen Gemeinde Berlin planen Schüler und Lehrer eines Gymnasiums eine Ausstellung über die Geschichte des europäischen Judentums vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Sie beschaffen die Materialien, schreiben Texte, wählen Bilder aus und organisieren eine Wanderausstellung an mehreren Orten, unter anderem im Goethe-Institut von Tel-Aviv.

Andere Berliner Schüler nehmen sich vor, zum Thema „Verkehrserziehung“ einen Zeichentrickfilm herzustellen. Sie schreiben die Story und das Drehbuch, stellen Figuren und Kulissen her, zum Schluß schneiden und vertonen sie den Film. Ein zweiter Streifen hält fest, wie sie sich die Trickfilmtechnik erarbeiten und welche Erfahrungen sie dabei machen.

Im Busecker Tal in Hessen entsteht durch Lehrer- und Schülerinitiative auf einem großen Gelände neben der Schule eine Art ökologischer Musterlandschaft: ein Nutzgarten, ein Tümpel, ein Vogelschutzgehölz, eine Blumenwiese, ein Obstgarten, eine Heidelandschaft, ein Kräutergarten, ein großes Gewächshaus und, schließlich, eine Art „Gartenlaube“ für die Geselligkeit.

Was es mit dem Umwelt-Alarm auf sich hat und wie es nun wirklich mit dem Waldsterben steht, wollen Schüler und Lehrer im württembergischen Albershausen prüfen. Sie machen sich sachkundig, untersuchen Laub, Querschnitte der Stämme und Nadelstand. Sie lassen sich von einem Förster durch den benachbarten Wald führen, studieren die Schadenskarten und die Veränderungen der letzten Jahre. Sie versuchen sich über die Schadstoffquellen zu informieren, die Reinigungsmaßnahmen kennenzulernen, sich mit Filtertechniken vertraut zu machen.

Die Umwelt der Schule bekommt noch mal eine neue Bedeutung. Man mag das als Heimat-Prinzip, wie es einst in unseren Volksschulen geherrscht hat, verschreien – doch sind die Möglichkeiten, sich politisch zu bilden und die Schule in die Gesellschaftsprobleme einzubinden, groß. Die politischen und wirtschaftlichen, die Gesundheits- und Bioökologieprobleme lassen sich heute in der unmittelbaren Nachbarschaft studieren. Sie lassen sich aus den abgehobenen Schichten abstrakter Gesellschaftskritik oder beschwichtigender Politikerreden herunterholen, in die lebendige und greifbare Nähe der eigenen Erfahrung.