Was Norbert Blüm mit seinen vielen Mahnungen an die Adresse der Unternehmen nach dem Motto „nun stellt mal schön ein“ noch nicht geschafft hat, versucht nun der Bundesarbeitgeberverband Chemie mit einem Aufruf an seine Mitglieder: „Runter mit den Arbeitslosenzahlen“, laute die wichtigste Aufgabe der Gesellschaftspolitik, heißt es dort. Und die Unternehmen sollen ihren Teil dazu beitragen, um sie zu lösen.

Es ist zwar richtig, daß in diesem Jahr erstmals wieder die Zahl der Arbeitsplätze zunehmen wird – um bis zu zweihunderttausend, wie Optimisten hoffen. Richtig ist auch, daß die chemische Industrie durch die zusätzliche Beschäftigung von rund zehntausend Mitarbeitern kräftig dabei mitgeholfen hat. Es stimmt aber leider auch, daß es immer noch über zwei Millionen Arbeitslose gibt.

Deshalb ruft der Verband seine Mitglieder dazu auf, ihr Herz über die Hürde zu werfen und sich im Zweifel nicht für Überstunden, sondern für die Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte zu entscheiden. Die Spitzenorganisation der Branche mahnt zudem, die neuen Instrumente der Beschäftigungspolitik besser zu nutzen: Befristete Arbeitsverträge, Teilzeitarbeit, Flexibilisierung der Arbeitszeit. Nun muß sich zeigen, ob in den Unternehmen die Stimme der eigenen Verbandsoberen auf mehr Resonanz stößt als die Mahnungen von Politikern.

mj