ZEIT: Herr Zeidler, Träger und Finanzier von Eureka soll in erster Linie die europäische Industrie sein. Wie bewertet denn die Industrie Eureka?

Zeidler: Eureka bekommt in dem Maße mehr Gewicht, wie das Ziel dieser Initiative sich nicht gegen, sondern für etwas ausrichtet. Europa hat es dringend notwendig, im Rahmen des weltwirtschaftlichen Wettbewerbs, genau wie zum Beispiel USA und Japan, eine eigenständige Technologiestrategie zu entwickeln und zu verfolgen. Unsere europäischen Industrien brauchen eine zusätzliche Initiative, einen Aufbruch. Wir müssen ein entsprechendes europäisches Klima schaffen sowohl für die Forschung als auch für die industrielle Kooperation.

Eureka hat – zumindest von der Erfindung her – einen gewissen Geburtsfehler, der darin liegt, daß die Idee nur vom Staat her initiiert wurde. Dennoch wäre es heute unsinnig, aus diesem Grund gegen Eureka eingestellt zu sein. Ich verstehe Eureka vor allem als Katalysator, mit dem Europa in der technologischen Herausforderung Synergieeffekte erzielen kann.

ZEIT: Was kann Eureka denn mehr bewirken, als die Industrie nicht ohnehin schon tut, um in der Technologie vorn zu bleiben? Wissen Staaten oder Regierungen besser als die Industrie, wie die Zukunft aussehen soll?

Zeidler: Sicher nicht. Es darf auch nicht sein, daß nur die Regierungen bestimmen, was im Rahmen von Eureka geforscht werden soll. Hier ist vor allem die Industrie gefordert. Andererseits hat der Staat auch wichtige Aufgaben. Wir haben in der Industrie Forschungsprojekte mittel- und langfristiger Natur. Dazu muß der Staat einen gewissen Beitrag mitleisten.

Unsere Industrien werden von der Eureka-Initiative aber auch dort profitieren, wo der Staat gar nicht so sehr um finanzielle Hilfen gefragt ist, zum Beispiel dann, wenn die Regierungen sich einig werden, Voraussetzungen und Grundregeln für eine verstärkte europäische Zusammenarbeit zu schaffen.

ZEIT: Sie sprechen damit technische Normen und Standards an, die in Europa sehr unterschiedlich sind und die eine Zusammenarbeit verhindern, statt sie zu fördern?