Von Dorothea Hilgenberg

Es ist noch gar nicht lange her, da hat der Außenminister unsere Professoren furchtbar verärgert. Als er neben unsere Staats-Universitäten private Elitehochschulen setzen wollte. Die Diskussion, die ausführlich in Pro- und Contra-Runden abgehandelt wurde, endete mit einem Plus für die Universitäten. Was über Jahrhunderte gewachsen ist, war nicht über Nacht zu gefährden: Ein Trugschluß, hier mit schnellem Erfolg den Kapitalismus einführen zu können.

In der FDP rumorte es, Bayerns Christsoziale forderten Genscher auf, die Hände vom Wissenschaftsbetrieb zu lassen, am Ende leistete sogar die Wirtschaft einen Schwur auf die Staatsuniversität (und ist bis heute zurückhaltend gegenüber ihrem Privatableger in Koblenz geblieben).

Die Fronten haben sich beruhigt und fast scheint der nobelgekürte Landsmann und einstiger Hochschulphysiker von Klitzing die Klagen über die mangelnde Forschungskraft unserer Universitäten völlig zum Versiegen gebracht zu haben. Kein Wunder, daß da dem Präsidenten der Westdeutschen Rektoren-Konferenz (WRK) ein Stoßseufzer der Erleichterung entfährt. Er hatte es schließlich immer gewußt, auch wenn er nicht erhört wurde: „Wir sind besser als unser Ruf.“ Doch sollen sie nun durch Wettbewerb noch besser abschneiden und weiterkommen, so weit, daß wir für alle Zeiten von einem drohenden Forschungsverfall erlöst werden.

Die Idee stammt aus Bonn und wie bei allem, was neu klingt, machte sie schnell die Runde: Wettbewerbsfieber beherrscht das Hochschulrahmengesetz, Wettbewerb beschäftigt sämtliche Wissenschaftsminister, Wettbewerb ist das Thema gründlicher Expertisen. Der Knüller? Nein, Konkurrenz gab es schon immer, auch wenn sie nicht als Erfolgsrezept gehandelt wurde – beim Abwerben guter Wissenschaftler, bei der Ausstattung der Fächer, beim Kampf ums Geld. Keiner hat etwas dagegen, aber alle warnen vor Illusionen: der Wissenschaftsrat, das Hochschul-Informations-System aus Hannover und nicht zuletzt die Westdeutsche Rektoren-Konferenz (WRK).

Wettbewerb unter Staatsbetrieben – da kommen nicht nur Anhänger gnadenloser Konkurrenzsysteme ins Grübeln, wenn nicht verraten wird, wie man sich den bei öffentlich-rechtlichen Anstalten mit Besoldungs- und Dienstrecht, Zulassungs- und Kapazitätsreglements vorzustellen hat – in einem System also, daß vor Unbeweglichkeit gerade nur so strotzt.

Wie soll der an allen Stellen Behinderte und Gehemmte aus den Startlöchern finden? Und – wenn ihm das gelänge – was für eine Belohnung winkt ihm an der Zielgeraden? Das ist die Frage, die vor allem die Hochschulen beunruhigt: Geht es um den größeren Happen vom zusammengeschrumpften Staatsbudget? Ist der Verdacht des WRK-Präsidenten begründet: Die Wurst soll höher gehängt werden, und wer sie erwischt, kann sie verspeisen?