Nach sechswöchiger Dauer ist in Sofia die Generalkonferenz der Unesco zu Ende gegangen. Wird die Organisation überleben?

Bei ihrer 23. Generalkonferenz mußte die Unterorganisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur ihre bisher schwerste Bewährungsprobe bestehen. Nach dem Austritt der Vereinigten Staaten Ende vergangenen Jahres, die bis dahin ein Viertel der Finanzmittel der Unesco bestritten hatten, stand nun Großbritanniens Ankündigung im Raum, ebenfalls auszuscheren. Die Drohung wirkte mäßigend auf die Delegierten.

Vor allem die Vertreter aus den Ländern der Dritten Welt machten Zugeständnisse. So beschäftigte sich die Konferenz weder mit Abrüstungsvorschlägen noch mit Forderungen nach einer neuen Weltinformations- oder Weltwirtschaftsordnung.

Statt dessen konzentrieren sich die Delegierten, wie es in der Schlußresolution deutlich wird, auf ihre eigentliche Zuständigkeit. Es wird im Text auf „die Bedeutung der Unesco bei der Schaffung ausgeglichener internationaler Beziehungen“ hingewiesen, die „besonders im wirtschaftlichen Bereich, durch die Förderung von Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation“ erreicht werden soll.

Außerdem wurde in Sofia das Zweijahresprogramm der Unesco den neuen finanziellen Gegebenheiten (nach dem Rückzug der Vereinigten Staaten fehlen 91 Millionen Dollar in der fehlen der Etat beträgt nur noch 307 Millionen Dollar) angepaßt.

Das Damoklesschwert eines britischen Austritts hängt jedoch weiter über der Unesco. Die Vertreter Londons ließen in der bulgarischen Hauptstadt nicht erkennen, ob Großbritannien seine Kündigung zum Jahresende einhält. Sollten die Briten die Organisation verlassen, wird mit dem Austritt weiterer westlicher Unesco-Mitglieder gerechnet. -l