Die Entdeckung der Hopanoide. Oder wie eine Substanz Karriere macht

Von Elmar Kannenberg

Hops“ werden sie von amerikanischen Erdölexperten genannt. „Hops“ steht, ausnahmsweise, nicht für Hopfen, sondern für Hopanoide. Das ist eine Familie von Naturstoffen, für deren Entdeckung der französische Biochemiker Guy Ourisson Ende Oktober mit dem diesjährigen Wieland-Preis ausgezeichnet wurde. Dieser nach dem deutschen Nobelpreisträger Heinrich Wieland benannte Preis wird seit 1964 an Wissenschaftler mit besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Fette und Lipide vergeben und ist mit 20 000 Mark dotiert.

Ourissons Arbeiten beeinflussen Forschungsgebiete, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Erdölchemie und Bakteriologie, Evolutionsbiologie und vielleicht sogar die Medizin.

Zu den Substanzen, die nur in geringen Mengen auf dieser Erde vorkommen, gehören die Hopanoide gewiß nicht. Im Gegenteil: Nach einer Schätzung von Guy Ourisson und seinen Mitarbeitern von der Universität Straßburg ist die Menge an Hopanoiden mit zehn bis hundert Billiarden Tonnen wahrscheinlich größer als die Summe des gesamten auf der Erde in Lebewesen gebundenen Kohlenstoffs. Dennoch kamen die Wissenschaftler dieser Massensubstanz erst in den letzten Jahren auf die Spur. Aber wo in aller Welt können solche Mengen versteckt sein, daß sie Heerscharen von Wissenschaftlern so lange übersehen haben? Die Antwort ist einfach: in der schier unübersichtlichen Zahl von Substanzen in Sedimentgesteinen, Böden und Schlämmen.

Diesen Substanzgemischen widmete Guy Ourisson einen Großteil seines bisherigen Forscherlebens als Paläobiochemiker („Vorzeit-Biochemiker“). Er untersuchte Herkunft und Verbreitung von organischem Material in Sedimentgesteinen.

Kohle und Erdöl sind die organischen Reste von Lebewesen. Das war auch schon vor zwanzig Jahren bekannt, als Ourisson mit seiner Arbeit in Straßburg begann. Die Kohlelagerstätten galten – und gelten noch immer – als das Umwandlungsprodukt riesiger Moore; Kohle stammt also hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzen. Erdöle dagegen wurden auf feinverteiltes organisches Material zurückgeführt, das sich in Sedimenten von Binnenseen und küstennahen Meeren abgelagert haben soll. Als Quellen wurden lange das Plankton des Meeres angesehen sowie pflanzliche Reste, die durch Flußwasser in die flachen Meeresbecken gespült worden sein sollen.