Offenbach

Für den Offenbacher Kulturdezernenten ist der Fall klar: „Konrad Adenauer“, sagt FDP-Stadtrat Ferdi Walther, „hat die Offenbacher CDU-Fraktion aus dem Jenseits korrigiert.“ An diesem Bild ist etwas dran. Dies können selbst CDU-Politiker nicht leugnen. Denn auch sie waren überrascht, als ihnen der diesjährige „Konrad-Adenauer-Preis für Kommunalpolitik“ in Silber zuerkannt wurde. Die Freude der CDU-Politiker ist jedoch gedämpft. Schließlich müssen sie sich den Preis mit der Bürgerinitiative Rumpenheim teilen. Und wegen Schloß Rumpenheim haben Bürgerinitiative und CDU stets heftig miteinander gestritten.

Ursprünglich wollte die CDU, die zwischen 1977 und März dieses Jahres in Offenbach, wozu die Gemeinde Rumpenheim gehört, mit den Liberalen die Mehrheit im Stadtrat bildete, das Schloß wieder aufbauen. Es stand seit 1921 unter Denkmalschutz, war aber in all den Jahren zur Ruine verkommen. Doch die Absicht der CDU, in dem ehemaligen Sommersitz der Landgrafen von Hessen neben einem Hotel auch 40 Eigentumswohnungen und eine Tiefgarage zu errichten, hätte, so meinte die Bürgerinitiative, das Original-Bauwerk zerstört und das alte Maindorf Rumpenheim so verändert, daß es nicht wiedererkannt worden wäre.

Auch Landeskonservator Gottfried Kiesow warnte: „Daß nur die Außenmauern stehenbleiben und alles andere niedergelegt wird, kann das Landesamt für Denkmalpflege nicht akzeptieren. Wir bevorzugen deshalb die Lösung, die am meisten Substanz schont.“ Als eine solche Lösung präsentierte die Bürgerinitiative ein Modell, mit dem sich die CDU nur schwer anfreunden konnte: Seit Mai dieses Jahres wird das dreiflüglige Schloßgebäude nebst Marstall denkmalgerecht restauriert, für den vormals barocken Park und späteren englischen Landschaftsgarten wird ein „Parkpflegewerk“ geschaffen.

Den Antrag, das Modell der Bürgerinitiative in der Stadtverordnetenversammlung zu verabschieden, brachte im vergangenen Jahr der Koalitionspartner der CDU, die FDP, ein. Die CDU billigte zwar im Gegensatz zur SPD den Antrag, doch bei den Christdemokraten ist die Skepsis gegenüber dem Konzept der Initiative bis heute nicht gewichen. Angesichts der bevorstehenden Preisverleihung gibt der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Goliasch das widerwillig gesprochene Ja seiner Partei nun als „kommunalpolitische Selbstverständlichkeit“ aus.

Der CDU hatte immer eine exklusive Nutzung des Schlosses vorgeschwebt. Zunächst wollte sie darin ein Schulungszentrum der Kraftwerke-Union unterbringen, dann den Managern der European Business School ein neues Domizil verschaffen, zuletzt Hotel, Tiefgarage und Eigentumswohnungen errichten. Derlei Pläne scheiterten daran, daß keiner der auserkorenen Bauträger Bankbürgschaften beibringen konnte, wie auch am Widerstand der als eigensinnig bekannten Rumpenheimer und ihrer Bürgerinitiative.

Die Bürger fürchteten einen Abriß des Original-Schlosses und einen Wiederaufbau in Frankfurter Römerberg-Putzigkeit. Für die Rumpenheimer sind aber Schloß und Park Symbole des Selbstbewußtseins einer Gemeinde, deren Ursprünge sich bis in die Karolingerzeit zurückverfolgen lassen, die somit um zwei Jahrhunderte älter ist als Offenbach, dem Rumpenheim 1942 per Verwaltungsakt einverleibt wurde.