Von Bernd Nitzschke

Die sprachlichen Floskeln, der Nationalsozialismus sei un-menschlich gewesen, obgleich er doch weder von der Vorsehung noch von Teufeln, sondern eben von Menschen veranstaltet worden ist, oder seine Verbrechen seien unvergleichlich, obgleich doch zu Beginn der Neuzeit christliche Horden binnen fünfzig Jahren nach der Entdeckung Amerikas etwa siebzig Millionen Menschen, ganze Völkerschaften, umgebracht hatten, dienen auf den ersten Blick der moralischen Verurteilung.

Auf den zweiten Blick erweisen sie sich als Ausdruck einer Rechtfertigungs- und Dämonisierungsstrategie, die vor allem eins verhindern soll: die Aufklärung über geschichtliche Kontinuität, in welcher der Nationalsozialismus steht.

Er gehört unverbrüchlich zur historischen Identität der Deutschen und zur Dialektik der Aufklärung, die weder von palavernden Vernunftkritikern noch von beschwörenden Gesten kritikloser Aufklärungs-Feuilletonisten hinreichend zu durchdringen ist.

Der Trick, die Nationalsozialisten im nachhinein zu geistesverwirrten Psychopathen zu erklären, verdeckt die Wahrheit des gesellschaftlichen Konsenses, ohne den er nicht möglich gewesen wäre.

Außerdem greift er das faschistische Argument der Entartung auf, um es lediglich umzukehren, es jetzt gegen seine Erfinder zu wenden. Was dabei herauskommt, sind zynische Rechnungen, die vor allem der eigenen Ent-Schuldigung dienen sollen:

„Die Barbarei der Nationalsozialisten stellt zweifelsohne eine ‚aberratio mentis‘, einen ungezügelten Ausbruch von Irrationalismus, Inhumanität und spießbürgerlich mißverstandener Romantik dar.“