Geliebter General

Fünfzehn Jahre nach dem Tode Charles de Gaulles ließ der Pariser Figaro die Franzosen nach ihrer Meinung über den General und Gründer der Fünften Republik befragen. 68 Prozent loben seine Umstülpung Frankreichs zur Präsidialrepublik, 49 Prozent halten den „Gaullismus“ allerdings für einen heute völlig überholten Begriff, während sich nur 21 Prozent der Franzosen heute noch Gaullisten nennen. Der Gaullismus schwindet, der Ruhm des Generals wächst: 1980 hatten bei einer ähnlichen Umfrage 81 Prozent den General gerühmt, jetzt halten ihn 84 Prozent für eine positive Figur. Alte Feindschaften verblassen; den Sozialisten Mitterrand, de Gaulles Nach-Nach-Nachfolger im Elysée, halten immerhin 15 Prozent der Franzosen für einen „Gaullisten“.

Der Mohr von London

Empörte Reaktionen erntete der Londoner Observer für eine Karikatur zum Ende der Sommerzeit: Ein schwarzer Mann rennt mit einer Uhr über die Straße; jemand ruft ihm zu: „Stellen Sie die Uhr zurück!“ „Warum sollte ich“, antwortet der Mann, „ich hab’ sie doch nicht geklaut.“ Die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten des Observer befanden, die Karikatur verletze die „lange Tradition des guten Geschmacks“ ihrer Zeitung. „Mit Ihrem Einfluß bestärken Sie die Vorurteile derjenigen, die schwarze Mitbürger als anfällig für kriminelle Handlungen ansehen. Schämen Sie sich!“ schrieb der Leser Wilfred Croydon an sein Blatt. Der Zeichner des Observer antwortete mit einer neuen Karikatur: Eine weiße Hand hält ein Plakat hoch, auf dem nur ein Wort steht: „Sony“.

Vor der Tür, auf der Bühne

Klaus Pokatzky ist nach wie vor Katholik. Hans Jakob Ginsburg wurde als Schüler von einem betont judenfreundlichen Lehrer aus einer Rauferei herausgekeilt. Pokatzky verbrachte den Abend der geplatzten Fassbinder-Uraufführung „draußen vor der Tür“ der Kammerspiele, während Ginsburg sich mit ein paar Gesprächspartnern aus der Kälte in die nächste Kneipe verzog. Die Beiträge der beiden Autoren zum Frankfurter Spektakel („Draußen vor der Tür“ und „Juden auf der Bühne“) erschienen letzte Woche in einem Teil der Auflage der ZEIT mit den Überschriften und Autorennamen auf Seite 3, die zum Artikel des anderen gehörten.

Pünder-Preis

In der vorigen Ausgabe berichteten wir an dieser Stelle, daß zur Erinnerung an Werner Pünder (den einzigen Deutschen, der je Hitler verklagt hat) ein mit 10 000 Mark jährlich dotierter Werner-Pünder-Preis ausgeschrieben worden ist – für eine Arbeit über „Freiheit und Totalitarismus“. Werner Pünder wurde irrtümlich als Oberdirektor des Direktoriums des Wirtschaftsrates bezeichnet. Dieses Amt hatte nicht er, sondern sein jüngerer Bruder Hermann Pünder (1949-1957 CDU-Mitglied des Bundestages, 1952-1958 erster Vizepräsident der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl).