Von Sabine Gerbaulet

Einmal im Jahr findet in Bayreuth vier Wochen lang Kultur statt. Dann eilen Ministerpräsidenten nebst Ministerkollegen und Gefolge zu den Festspielen auf den "Grünen Hügel", um sich von Richard Wagners Musikdramen erschüttern zu lassen.

Der jetzt anstehende zehnte Geburtstag der Bayreutner Universität ist als kulturelles Ereignis offensichtlich zu unbedeutend, als daß Franz Josef Strauß oder sein Kultusminister Hans Maier dafür den beschwerlichen Weg in die oberfränkische Diaspora auf sich nehmen wollten. Obwohl dort das Drama der zu Tode gegründeten geisteswissenschaftlichen Fakultäten der neuen Universität zu besichtigen wäre, das an Intrigen und Beckmessereien Wagners Musiktheater in nichts nachsteht.

In den offiziellen Geburtstagsreden wird davon nicht die Rede sein. Schwerpunkt und Glanzstück der Bayreuther Universität sind die Naturwissenschaften und die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die in den zehn Jahren ihres Bestehens Profil und Anerkennung gewonnen haben. Dies, obwohl sie "auf der grünen Wiese" entstanden, während die Fakultäten vier (Sprach- und Literaturwissenschaften) und fünf (Kulturwissenschaften) an die Tradition der 1896 gegründeten königlichen Lehrerbildungsanstalt anknüpfen konnten, die später als "Erziehungswissenschaftliche Fakultät" der Universität Erlangen-Nürnberg angegliedert wurde.

Bayreuth war damit neben Pasing und Erlangen eine von drei evangelischen Lehrerbildungsstätten im überwiegend katholischen Bayern.

Mit der pädagogischen Tradition hatte der oberste Dienstherr bei Gründung der Universität allerdings von Anfang an nicht viel im Sinn. Da sich 1975 der "Lehrerberg" der 80er Jahre abzuzeichnen begann, wurde Bayreuth die Ausbildung von Gymnasiallehrern in fast allen Geisteswissenschaften schlicht versagt. Damit nicht genug: Obendrein strich das Ministerium das ehemals breite Ausbildungsangebot noch so weit zusammen, daß nun selbst solche Fächer nicht fürs Lehramt an Grund-, Haupt- oder Realschulen studiert werden können, die an der Universität mit Lehrstühlen vertreten sind.

So bietet sich, wie die Professoren Krings, Frühwald und Warning in ihrem Gutachten zu Bayreuth 1981 formulierten, "das seltsame Bild von Rumpffakultäten und Lehrstühlen, die an der vollen Entfaltung ihrer Forschungs- und Lehrmöglichkeiten gehindert werden, von Professoren ohne Studenten". Dringend empfahlen die – vom Kultusminister selbst bestellten – Gutachter die "Einführung gymnasialer Studiengänge", wodurch die Universität erst "jenes Studentenreservoir gewinnen könne, aus dem sich dann spezialisierte Studiengänge speisen lassen".