Die Mahnung verhallte ungehört. Aus Angst vor zu vielen arbeitslosen Gymnasiallehrern dürfen in Bayreuth nur Magister und Doktoranden in Germanistik, Anglistik, Romanistik und Theologie ausgebildet werden, obwohl die Berufsaussichten dieser Absolventen mindestens so unsicher sind wie die der Lehrer. Die Studenten verhalten sich entsprechend, das heißt, sie kommen erst gar nicht. So entstanden die „Professoren ohne Studenten“, von denen im Gutachten die Rede ist. Für Professoren an einer der überfüllten Massenuniversitäten mag das ein durchaus traumhafter Zustand sein – für eine Neugründung wie Bayreuth wird es dagegen angesichts allgemein rückläufiger Studentenzahlen zur „tödlichen Gefahr“.

Das „Standbein“ in den klassischen geisteswissenschaftlichen Fächern einer Universität wurde Bayreuth also verwehrt, statt dessen bastelte man an verschiedenen „Spielbeinen“ für die Geisteswissenschaften, die sich allerdings bis heute samt und sonders als nicht tragfähig erwiesen. So sollte Bayreuth zum Schwerpunkt der Afrikanologie in Deutschland gemacht werden – ein Ansatz, der durch die vielfältigen Afrikainteressen des Ministerpräsidenten persönlich inspiriert sein dürfte, wie ein ehemaliger Kollege vermutet. Neben speziell für Afrikanistik und Islamwissenschaft berufenen Professoren wurden auch die Lehrstühle für Romanistik und Anglistik auf einen afrikanischen Schwerpunkt hin ausgelegt. Die Lehrkapazität ist hier inzwischen da – nur an Studenten mangelt es: Jeweils 12 Studenten weist die Statistik in der Afrikanologie und in der Afrikanistik aus.

Entgegen den Intentionen seines Ministerpräsidenten setzt Kultusminister Maier, der intern die Afrikanologie in Bayreuth „spleenig“ genannt haben soll, eher auf einen religiös-weltanschaulichen Schwerpunkt seiner Neugründung im oberfränkischen Raum. Gute Voraussetzungen bot dafür der 1983 verstorbene evangelische Theologe, Professor Kasch, Mitglied des CSU-Landesvorstands, der sich mit Schriften wie „Entchristlichung und religiöse Desozialisation“ und mit seinen „Kolloquien zu Fragen der religiösen Sozialisation“ für ein rechtes Gesinnungsbollwerk so nah der Grenze zum ideologischen Feind empfahl.

Daß er mit seinem, auf Anregung der evangelischen Kirche gegründeten, „Institut für Religiöse Sozialisation“ den politischen (und zumeist katholischen) Gesinnungsfreunden Tor und Tür in die ehemals protestantisch geprägte Bayreuther Hochschule öffnete, mußte belohnt werden. Zum 60. Geburtstag von Kasch gab der Präsident der Universität höchstpersönlich eine Festschrift heraus, in der neben einigen Fachkollegen Beiträge von hochkarätigen, christlich gesonnenen Politikern zu finden sind. Professor Will Richter, Nestor der klassischen Altertumskunde und Kollege von Kasch, schrieb daraufhin an den Präsidenten: „Ein weiteres Novum (neben der Herausgabe der Festschrift durch den Präsidenten, d. Red.) ist es, daß die Festschrift Kasch keineswegs nur Beiträge von Fachkollegen, von Vertretern benachbarter Disziplinen oder überhaupt von Forschern enthält, sondern auch von aktiven Politikern, darunter Ministerpräsident Franz Josef Strauß selbst, das heißt von Persönlichkeiten, die in einer akademischen Festschrift durchaus deplaziert sind, deren Beteiligung aber andererseits Wissenschaft und Parteipolitik in einer höchst befremdlichen Weise miteinander verquickt erscheinen lassen. Dadurch, daß Für diese Publikation der Präsident verantwortlich zeichnet, wird die Universität selbst plakativ als CSU-orientierte Institution vorgestellt.

Wofür die Vorgänge um die Festschrift Kasch nur ein Indiz sind. Bundesweit Aufsehen erregte vor ein paar Jahren das Berufungsverfahren um den Maier-Schüler Michael Zöller auf einen neu geschaffenen Lehrstuhl für Erwachsenenbildung in Bayreuth, in dessen Verlauf der damalige Dekan der kulturwissenschaftlichen Fakultät aus Protest zurücktrat. Maier war mit dieser Berufung von der Vorschlagsliste der Fakultät abgewichen und hatte Zöller den Vorzug gegeben, obwohl dessen Habilitationsverfahren nicht abgeschlossen war (Zöller zog die Arbeit damals zurück und ist bis heute nicht habilitiert) und obwohl der Politologe Zöller für einen pädagogischen Lehrstuhl kaum prädestiniert schien. Trotz überproportional guter Ausstattung seines Lehrstuhls mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern sieht die Bilanz der Zöllerschen Bemühungen um die Erwachsenenbildung in Bayreuth kläglich aus: Ganze zwei Studenten weist die Statistik hier aus, die beiden sind obendrein noch Doktoranden, die keiner regelmäßigen Lehrveranstaltungen bedürfen.

Um so mehr Zeit bleibt Michael Zöller für seine vielfältigen publizistischen Aufgaben im christlichpolitischen Raum. Ein Tatbestand, der selbst dem Kultusministerium und dem Rechnungshof zu Ohren gekommen sein soll, von wo, wie es heißt, Anfragen zur Erfüllung der Lehrverpflichtung des Herrn Zöller nach Bayreuth gedrungen sind.

Der hat inzwischen anscheinend selbst das Interesse an der Erwachsenenbildung verloren: Er strebt, wie er selbst Kollegen erklärte, nun zur „Kultursoziologie“, die in Bayreuth demnächst mit drei Lehrstühlen vertreten sein soll. Ein neuer Schwerpunkt also, der aber wiederum keine eigenen Studenten haben wird. Denn Soziologie kann in Bayreuth weder fürs Diplom noch für den Magister studiert werden, vor einer Aufnahme der Fächer Soziologie und Politologie ins Fächerspektrum der Universität Bayreuth hat der Wissenschaftsrat erst 1982 gewarnt. So werden die Soziologen wohl das Schicksal der vier (!) Professoren für Geschichte teilen, die derzeit insgesamt 16 Studenten zu betreuen haben und im übrigen einen Beitrag zur Afrikanologie leisten sollen.