Neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Manager und Prüfer

Der rasante Aufstieg und Fall der Hammer Bank, Spar- und Darlehenskasse, war nun wohl doch nicht das alleinige Werk des ehemaligen Vorstandschefs Paul Schulte. Die Schwerpunktabteilung gegen Wirtschaftskriminalität der Staatsanwaltschaft Bochum hat jedenfalls den Personenkreis erheblich ausgeweitet, gegen den im Zusammenhang mit der spektakulären Pleite der Genossenschaftsbank Anfang 1985 ermittelt wird. „Konkret untersuchen wir“ bestätigte Pressestaatsanwalt Johannes Hirsch, „ob neben Schulte weitere Personen von der Schieflage des Instituts schon früher gewußt haben und dem Ex-Chef bei seinen Bilanz-Manipulationen direkt oder indirekt geholfen haben.“

Fast ein Jahr ist es her, daß der oberste Sprecher der genossenschaftlichen Bankengruppe, Bernhard Schramm, vor der Presse in Bonn eine bisher im deutschen Kreditgewerbe einmalige Pleite einer Genossenschaftsbank eingestand. Sonderprüfungen des Westfälischen Genossenschaftsverbandes, des zuständigen Prüfungsverbandes für die Hammer Bank, hatten nämlich Totalverluste von über 500 Millionen Mark und weitere 600 Millionen Mark zumindest fragwürdiger Großkredite ans Tageslicht gebracht. Bei einer Ende 1984 ausgewiesenen Bilanzsumme von rund 1,6 Milliarden Mark waren somit zwei Drittel der Aktivseite der Bilanz nicht sauber.

Abgesehen von dem ungeheuren Ausmaß dieses Desasters löste auch die Tatsache ungläubiges Kopfschütteln aus, daß sowohl der Westfälische Genossenschaftsverband wie auch die genossenschaftseigene Prüfungsgesellschaft Treuverbund nur wenige Monate vorher nichts gegen eine Bilanz einzuwenden hatten, die noch einen Millionengewinn auswies. Nur mit abenteuerlichen Rechentricks, vermuten die Staatsanwälte, kann es überhaupt möglich gewesen sein, das wahre Ausmaß der Verluste zu verschleiern. Doch dazu, so die logische Schußfolgerung der Ermittler, bedurfte Schulte der Mithilfe oder wenigstens Duldung der Bankprüfer.

Kaum war die Affäre publik, tauchte Schulte unter. Erst Stunden vor einer geplanten Fernsehfahndung in der Sendung Aktenzeichen XY stellte sich Schulte an der niederländischen Grenze den Behörden. Inzwischen hat er schon zwei Gerichtsverfahren hinter sich, die ihm zusammen sechs Jahre Haft einbrachten, mit mindestens einem weiteren Verfahren muß er noch rechnen.

Zweifel, ob die Pleite der Bank die Tat eines einzelnen sein könnte, kamen den Staatsanwälten vermutlich auch durch private Tagebuchaufzeichnungen des Grömaz – des größten Manipulateurs aller Zeiten –, wie er in Genossenschaftskreisen genannt wurde. Dort hatte Schulte nämlich seine Sorgen zu Papier gebracht und festgestellt, daß „seine“ Bank eigentlich pleite sei. Pikant nur: Diese Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1975. Seitdem müssen es Schulte und seine mutmaßlichen Helfer verstanden haben, die tatsächlichen Verluste zu verschleiern.

Konkrete Anhaltspunkte für strafbare Verfehlungen haben die Ermittler in einem Fall offenbar schon gefunden. Der Prüfungsdienstleiter des westfälischen Verbandes, Walter Rohlfing, sitzt seit geraumer Zeit in Untersuchungshaft. Ermittelt wird aber auch gegen den ehemaligen Präsidenten des Westfälischen Genossenschaftsverbandes, Hans Pauli, der sich in der Organisation vor allem durch die Verteidigung hehrer Genossenschaftstugenden einen Namen gemacht hatte. Er galt intern als absoluter Traditionalist und Genossenschaftstheoretiker. Pauli hatte sich schon Ende 1984 von seinem Posten beurlauben lassen und ging im April dieses Jahres in den vorzeitigen Ruhestand.