Es war ein Wort der Versöhnung: "Wir haben nur ein Polen. Wir sollten alle polnisch denken, Ich kann nicht bestreiten, daß Jaruzelski ein Patriot ist." Der dies noch vor wenigen Tagen sprach, der Proletarier mit dem altmodischen Stolz auf nationale Würde, der respektlose, aber tolerante, religiöse, aber nicht obrigkeitsfromme Friedensnobelpreisträger Lech Walesa – er wird jetzt von der Obrigkeit des General Jaruzelski vor Gericht gestellt, Weil Walesa die offiziellen Angaben über die hohe Beteiligung an den Parlamentswahlen im Oktober mit den Zahlungen der Solidarność gekontert hatte, ist er nun doch wegen Staatsverleumdung angeklagt worden.

Sachlich urteilenden Beobachtern im Westen galten bisher beide, Walesa und Jaruzelski, als Patrioten, weil sie – jeder von seiner Seite aus – Schlimmeres verhütet hatten. Wieviel Schlimmeres verhindert Jaruzelski jetzt dadurch, daß er den fast verstummten Arbeiter aus Danzig anklagen läßt? Walesa kann sich nicht wehren. Aber Mitterrand und Brandt können auf die schallende Ohrfeige antworten, die ihnen der General versetzt hat, dem sie durch ihre Begegnungen gerade noch zu neuer Reputation verhalten. Bis Walesa freigesprochen ist, muß dem Arbeiterführer jedenfalls widersprochen werden: Bis dahin kann bestritten werden, daß Jaruzelski ein Patriot ist. C. S.-H.