Zwei Ereignisse haben die Tendenz der demschen Aktienmärkte vor dem Weihnachtsfest entscheidend beeinflußt: der Daimler-Deal der Deutschen Bank und der Beschluß des Zentralbankrates, die Geldmenge auszuweiten, neue Geldmarktpapiere zuzulassen und die Mindestreserven der Kreditinstitute um rund acht Milliarden Mark zu senken.

Zumindest die Ausländer sind überzeugt, daß damit die Bundesbank der ohnehin recht guten Konjunkturentwicklung weitere Anstöße geben will. Mit massiven Käufen haben vor allem Schweizer und Londoner Banken ihre deutschen Portefeuilles weiter aufgestockt. Für die in England aufgelegten Fonds mit deutschen Aktien war die Hausse eine wunderbare Starthilfe.

Daß sich die Ausländer vorzugsweise den deutschen Bank-Aktien zuwandten, lag auf der Hand. Von den deutschen Kreditinstituten ist bekannt, daß sie in den letzten Jahren dank guter Gewinne ihre Auslandsrisiken weitgehend abgedeckt haben und für 1985 Rekordabschlüsse vorlegen werden.

Den letzten Anstoß für die Bankenhausse hat unzweifelhaft die Deutsche Bank mit ihrer Flick-Transaktion gegeben. Die sensationell rasche Plazierung der aus dem Flick-Besitz stammenden Daimler-Aktien im Kurswert von immerhin 3,8 Milliarden Mark hat international Aufsehen erregt und das Ansehen der größten deutschen Bank weiter wachsen lassen. Die gut vorbereitete Aktion, an der auch zahlreiche ausländische Institute beteiligt waren (und mitverdienten), hat das Obligo der Bank aus dem Flick-Paket entscheidend verringert.

Selbst für erfahrene Börsianer ist die Unterbringung der Daimler-Aktien überraschend gut gelungen. Natürlich hat es "Tauschoperationen" gegeben. Es wurden Daimler-Aktien aus dem Bestand verkauft, um Platz für die "neuen", aus dem Flick-Besitz stammenden Papiere zu schaffen, Sie wurden zu 1120 Mark angeboten, während gleichzeitig der Daimler-Kurs bei 1250 Mark lag. Wer von seiner Bank "berücksichtigt" worden ist, kann sich eines komfortablen Weihnachtsgeschäftes erfreuen. Das haben auch jene ausländischen Institute gemacht, die ihre im Rahmen der Aktion überlassenen Daimler-Aktien sofort wieder zum Verkauf stellten, ohne erst ihre Kundschaft damit zu "belästigen", Eine Erscheinung, die bei Börsenneueinführungen namhafter deutscher Unternehmen offenbar gang und gäbe geworden ist.

Solche Transaktionen waren der Grund, warum die Daimler-Aktien zunächst um 70 bis 80 Mark zurückfielen. Die Spanne zwischen "alt" und "neu" sank vorübergehend bis auf rund 50 Mark. Aber schon am Wochenende schien sich das Blatt wieder zu wenden. Einige internationale Anleger hätten sich – so wurde behauptet – in den letzten Wochen mit Anschaffungen von Daimler-Aktien über die Börse zurückgehalten, weil sie davon ausgegangen waren, im Rahmen der Plazierungsaktion besser berücksichtigt zu werden, als dies schließlich der Fall gewesen ist. Diese Investoren beginnen, ihre Bestände an Daimler-Aktien langsam aufzufüllen, so lange sie das Gefühl haben, daß der Markt noch flüssig ist Bei ihren Käufen stützen sich die Ausländer auf ein Exposé der Deutsche-Bank-Tochter Degab, die für 1986 von einem Daimler-Gewinn von 96 Mark je Aktie ausgeht. Damit würde die Daimler-Aktie bei einem Kurs von 1190 Mark mit dem 12,4fachen eines Jahresgewinns bewertet. Dies entspricht in etwa dem Bewertungsdurchschnitt aller deutscher Aktiengesellschaften. In dem Kurs kommt demnach die herausragende Stellung des Stuttgarter Unternehmens noch nicht zum Ausdruck, das sich in der Vergangenheit stets durch eine ungewöhnliche Ertragsstabilität ausgezeichnet hat. Seit 15 Jahren gab es bei Daimler keinen Ertragsrückgang mehr.

Eine andere Frage, mit der sich die Börsianer plagen Wie hoch ist die Aktie der Deutschen Bank zu bewerten? In der vergangenen Woche wurden Sprüche wie "die Deutsche Bank geht auf 1000" noch als provozierend empfunden. Damals hatte der Kurs gerade die 800er Marke übersprangen. An diesem Wochenende ging er schon über 900.