Von Peter Christ

Am vergangenen Donnerstag fuhren Herbert Detharding, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns Mobil Oil, und August F, Karte, Geschäftsführer der German Oil, in die Kanzlei des Hamburger Notars Thomas Cadmus. Die beiden Ölmanager ließen eben Vorvertrag beurkunden, an dessen, Zustandekommen fast niemand mehr geglaubt hatte: Spätestens bis zum 31. März 1986 will die kleine, erst im vergangenen Sommer gegründete German Oil die Wilhelmshavener Raffinerie des großen Konkurrenten Mobil (Umsatz 10,8 Milliarden Mark) übernehmen.

Die eigentliche Gewinnerin bei diesem Geschäft saß nicht mit am Tisch: Niedersachsens Wirtschaftsminister Birgit Breuel (CDU). Seit rund einem Jahr, als die Mobil die Schließung ihrer Raffinerie zum 31. März 1985 bekanntgab, kämpft Birgit Brand um den Bestand der Ölfabrik an der strukturschwachen Nordseeküste. Zunächst versuchte sie, Mobil Oil zum Weitermachen zu bewegen. Sie erinnerte den deutschen Ableger des amerikanischen Ölmultis an die rund hundert Millionen Mark staatlicher Subventionen, mit denen das Land den Bau der erst 1976 eingeweihten Raffinerie gefördert hatte. Für Mobil war das kein Grund, Dankbarkeit zu zeigen oder sentimental zu werden. Dazu waren die Resultate der Raffinerie viel zu trist.

Dann versuchte die hartnäckige Ministerin, die Raffinerie langfristig zu pachten. Zu diesem Zweck wurde schließlich die German Oil gegründet, an der das Land Niedersachsen zu fast zwei Dritteln beteiligt ist. Der German-Oil-Gesellichafter Marimpex, eine Hamburger Ölhandelsfirma, besorgte der German-Oil schon im April einen Liefervertrag mit dem Iran über jährlich fünf Millionen Tonnen Rohöl.

Der ganze Aufwand war vergebens, weil Mobil die Raffinerie nicht verpachten, sondern allenfalls verkaufen wollte. Dem Konzern leuchtete nicht ein, wie dem kleinen Newcomer gelingen sollte, was er selbst seit 1976 vergeblich versucht hätte: die Wilhelmshavener Raffinerie mit Gewinn zu betreiben. Seit ihrer Einweihung hat die Raffinerie durchschnittlich nicht mal die Hälfte ihrer Kapazität genutzt. Zwei Ölkrisen (1973 und 1979) warfen alle Rentabilitätsrechnungen der Mobil über den Haufen.

Doch German Oil hat gegenüber Mobil und anderen Ölfirmen einen entscheidenden Vorteil: Der Iran trägt als Lieferant des Rohöls de facto das gesamte wirtschaftliche Risiko der Raffinerie. Denn die Iraner bekommen für ihr Rohöl nur das Geld, das nach der Verarbeitung des Öls und nach dem Verkauf der daraus hergestellten Ölprodukte übrigbleibt.

Dieser für German Oil günstige sogenannte netback-Vertrag sorgte für große Unruhe bei Mobil und den anderen etablierten Ölkonzernen. Denn die seit 1980 mit schweren Verlusten kämpfende Branche fürchtete, plötzlich gegen ein Opec-Land konkurrieren zu müssen. Außerdem paßte der Breuel-Plan überhaupt nicht in das Konzept der Ölindustrie, die seit Jahren versuchte, sich mit der Stillegung von Raffinerien dem seit 1980 um gut ein Drittel geschrumpften Absatz anzupassen.