Sammlungen von Kleinodien, die als Bürgerschenkung der Öffentlichkeit übereignet werden, sind Seltenheit. Neben dem Schmuckmuseum Pforzheim, der Münchner Residenz, dem Grünen Gewölbe zu Dresden darf sich das Kölner Kunstgewerbemuseum mit seinen Stiftungskomplexen am europäischen Standard messen. Körper- und Gewandschmuck wie Ketten, Ohrgehänge, Armreifen, Haarkämme, aber auch Gürtel- und Schuhschnallen, Zierknöpfe, Pferdegeschirranhänger, Bauern- und Trachtenschmuck aus aller Welt, von Norwegen bis Bolivien - über 900 Stück, wie sie nun in zwei wissenschaftlichen Bestandskatalogen mit Hilfe der Thyssen Stiftung erfaßt wurden. Vom frühesten Beispiel einer geschliffenen Gemme der Orbed Zeit (3. Jh. vor Chr ) mit übereinander gestaffeltem Löwen, Stier und Vogel, bis zu Friedrich Beckers kinetischem, zwei Finger übergreifendem Objekt der rotierenden Ovalscheiben aus Edelstahl. Und dazwischen, unter der Lupe zu betrachten, Eisernes, Bronzenes, Silbernes und Güldenes mit Minuskel Inschriften, eingravierten Beschwörungsformeln oder Treueschwüren, aber auch winzige, vollplastisch modellierte Jagdszenen, Motive nach Michelangelos Tag- und Nachtallegorien, korallengeschnitzte Salamander neben Schlangen- und Trauerringen, eine Mode, die im 18 19. Jahrhundert von England auf den Kontinent übergriff "Victorian jewellery" - der Forschung dient in Datierungsfragen, und hier ist England führend, das reiche Reservoir der Literatur von George Elliot über Dickens, Trollope, Thakkeray bis zu Wilkie Collins. Wer in einer Museumskollektion Offenbarungen erwartet, lernt hier auch eine Lektion der Bescheidenheit. Und doch ist das Unikat, das handwerkliche Kleinkunstwerk in seiner goldschmiedetechnischen Präzision allemal Träger auch kultur- und gesellschaftshistorischer Aussage. Das Zeitalter der Industrialisierung mit den immensen bourgeoisen Vermögensansammlungen förderte die Parure, die mehrteilige Garnitur, oft im historischen Geschmack; die Neubesinnung im Art nouveau schöpfte aus Bildmotiven vegetabilische Ornamente und Formen, Schmetterlinge, doppelflügelige Ahornfrüchte in mattgebürstetem Gold, Rehe aus länglichen Orientperlen oder prachtvolle birnenförmige, bunt juwelenglitzernde, emaillierte Anhänger, wie sie, an Ankerketten getragen, auf Infantinnenporträts des 16. Jahrhunderts feinpinselig nachgezeichnet sind. Von den wechselvollen Schicksalen all dieser hautnah getragenen Zimelien sind, in den besten Fällen, nur die Namen der großen Goldschmiedemeister überliefert (Overstolzenhaus bis 12. Januar 1986 Kataloge 55 Mark) talog 12 DM Katalog 40 DM) Katalog 58 DM) lerie bis 5. 1, Katalog 38 DM)