Von Gunhild Lütge

Ein solcher Fall war dem Referenten bei seinen Datenschutzseminaren noch nicht untergekommen. Da berichtete ein Teilnehmer ratlos von der Praxis seines Chefs, per Computerprogramm die biorhythmischen Kurven seiner Mitarbeiter zu ermitteln, um danach Urlaubspläne, Dienstreisen und Besprechungstermine zu gestalten. Nach einer lebhaften Diskussion kam die Runde zu dem Ergebnis, daß dies nach dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) wohl kaum zulässig sei.

Seit Jahren bewegt Arbeitnehmer und ihre Interessenvertreter die Angst vor dem gläsernen Mitarbeiter und vor der Rasterfahndung nach Blaumachern oder notorischen Zuspätkommens Ein elektronisches Personalinformationssystem macht nahezu alles möglich. Dieser digitalen Administrationshilfen bedienen sich immer mehr Unternehmen.

Sie sind schon allein durch Gesetze und Verordnungen angehalten, riesige Detensammlungen über jeden einzelnen Mitarbeiter anzulegen. Bernd Hentschel, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherung e. V. (GDD), faßt den Datenwust so zusammen:

  • Die Personalabteilungen speichern bis zu 214 Einzelangaben pro Person als sogenannte Stammdaten. Dazu kommen noch die Informationen aus tarif-, einzelvertraglichen und betrieblichen Abmachungen.
  • Außerdem schreibt der Gesetzgeber bis zu 239 Datenübermittlungen an 75 öffentlichen Stellen vor.

Zur Sammlung gehören neben Informationen zur Person auch Angaben über persönliche Verhältnisse, beispielsweise Wehrübungen, Mitgliedschaften bei der freiwilligen Feuerwehr oder beim Katastrophenschutz, Behinderungen oder regelmäßigen Bildungsurlaub.

Aus diesem Datenbuffet können Arbeitgeber ihren Hunger nach möglichst vielfältigen Informationen über einzelne Mitarbeiter trefflich stillen. Der Kombination verschiedenster Daten sind dank immer komfortablerer Software keine Grenzen gesetzt. Die Verknüpfung verschiedener innerbetrieblicher Kontrollsysteme ist dabei der Pfeffer auf dem Datensalat. So zeigt der Verbund zwischen dem Zeit-, Betriebsdaten- und Kantinenabrechnungssystem sowie der Telepbonanlage auf Knopfdruck, wer wie oft und wie lange mit der örtlichen Gewerkschaftszentrale telephoniert, schon mal zu spät kommt oder zu früh geht, am Terminal überdurchschnittlich viele Fehler macht und bei der Texterfassung ein größeres Pausenbedürfnis hat als andere Kollegen und vielleicht außerdem in der Kamine noch vorzugsweise Schonkost wählt