Der Faktor Eitelkeit im Leben des Managers

Von Reinhard Mohn

Über die erforderlichen Qualitäten der Manager wird viel gesprochen und geschrieben. Eine umfangreiche Literatur erläutert, wie optimal zu führen ist und welche fachlichen Eigenschaften der Mann an der Spitze eines Unternehmens besitzen muß. Unsere Wirtschaftsberichterstattung rühmt den Erfolgreichen und bewundert seine Führungseigenschaften, insbesondere seine Durchsetzungsfähigkeit, Kreativität, Urteilsfähigkeit, Belastbarkeit und Mut. Beim Versagen eines Managers ist die Beurteilungsweise ähnlich. Man verweist auf Führungsfehler, auf Fehlentscheidungen und Unterlassungen. Auf eine Analyse der Persönlichkeitsstruktur des Gescheiterten verrichtet man zumeist.

Die Erklärung für diese unvollständige Betrachtungsweise scheint mir relativ einfach zu sein: Den Einfluß des menschlichen Versagens am Mißerfolg richtig zu erfassen, ist in der Tat außerordentlich schwierig. Und doch ist es so, daß häufig nicht in erster Linie fachliche, sondern eher charakterliche Mängel einen Manager straucheln lassen. Die Persönlichkeitsstruktur des Menschen ist aus vielerlei unterschiedlichen Komponenten zusammengesetzt. Der Ehrgeiz zum Beispiel kann das Leistungspotential eines Managers erheblich ausweiten. Umgekehrt löst überzogener Ehrgeiz unnötige Konflikte und nicht selten auch Mißerfolge aus. Ähnlich differenziert müssen auch die Auswirkunder Eitelkeit im Leben eines Menschen gesewerden.

Eitelkeit ist eine natürliche menschliche Eigenschaft, und ihre Auswirkungen sind zumeist harmlos. Ein völliges Defizit an Eitelkeit wird bei einem Mann – und wohl mehr noch bei einer Frau – zu Verhaltensweisen führen, die eher negativ zu bewerten sind. Übertriebene Eitelkeit dagegen empfinden wir als lächerlich oder störend. Die nachstehende Bewertung der Eitelkeit beschränkt sich auf Auswirkungen im Leben des Managers. Auch beim Manager kann Eitelkeit sowohl Gutes wie auch Schlechtes bewirken. Wir sollten dem Manager die Freude am Erfolg wahrhaftig gönnen, auch wenn darin zum Teil Befriedigung persönlicher Eitelkeit liegt. Ähnlich wie beim Ehrgeiz kann auch die Eitelkeit die Leistungsbereitschaft des Managers erhöhen. Jeder freut sich schließlich über Lob und Anerkennung. Selbst wenn die Eitelkeit sich in der Freude an Äußerlichkeiten ausdrückt, können wir dies – sofern es nicht zu Übertreibungen kommt – dem Manager ebenso zugestehen wie jedem anderen Menschen auch.

Alle menschlichen Eigenschaften können in der Übertreibung negative Konsequenzen haben, so auch die Eitelkeit. Dies zu erfassen ist um so wichtiger, als ein fehlerhaftes menschliches Verhalten beim Manager gravierende Folgen für sein Unternehmen haben kann. Wesen und Wirkungen der Eitelkeit des Managers sollten deshalb in der Führungstechnik Beachtung finden.

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