Von Wolfgang Zank

Das Dorf Vetter Hjermitslev, etwa 75 Kilometer von Dänemarks Nordspitze entfernt, genießt seit einiger Zeit internationale Aufmerksamkeit. Vester Hjermitslev mit seinen rund 500 Einwohnern wird nämlich seit Oktober letzten Jahres fast vollständig aus einer Biogas-Anlage mit Energie versorgt.

Kernstück der Anlage bilden drei Reaktortanks. In diesen Tanks verrotten unter Luftabschluß die Stallabfälle, flüssige wie feste, die in den Höfen des Dorfes täglich tonnenweise anfallen. Beim Verrotten wird Methan frei. Dieses Gas wird wiederum zum Erwärmen von Wasser und zur Stromerzeugung benutzt. Wärmepumpen, eine Windmühle sowie zwei ölbefeuerte Kessel als Reserve für Spitzenbelastungen ergänzen das System.

Die Anlage ist die größte ihrer Art in Europa. Mittlerweile kann eine mehr als einjährige Betriebserfahrung ausgewertet werden. Die Wirtschaftlichkeit der Biogas-Anlagen steigt mit ihrer Größe. So macht sich beispielsweise eine kleine Anlage, die 7200 Liter Heizöl im Jahr spart, nach fünf bis sechs Jahren bezahlt; eine Anlage mit doppeltem Durchmesser kann schon 25 200 Liter Heizöl ersetzen und ist bereits in zwei bis drei Jahren finanziert. Das System funktioniert zufriedenstellend, und die Vorteile einer solchen Biogas-Anlage sind vielfaltig: Eine neue, lokale Energiequelle wurde erschlossen; bei der Verbrennung des Gases werden kaum Schadstoffe abgegeben; der Mist ist nach der Entgasung weitgehend geruchsfrei, und vorher dann enthaltene Parasiten oder Krankheitserreger wurden abgetötet. Der Dünger wird also, bei gleichem Nährwert, erheblich umweltfreundlicher.

Insgesamt arbeiten in Dänemark gegenwärtig etwa zwanzig Biogas-Anlagen, weitere sind in Bau. Dänemark gilt als führend auf diesem Gebiet, und die betreffenden Firmen rechnen sich große Exportchancen aus. Ermuntert werden sie dabei durch das Beispiel der dänischen Windmühlenproduzenten. Sie haben vorexerziert, daß mit alternativer Energieerzeugung nicht nur die Umwelt entlastet, sondern auch richtiges Geld verdient werden kann.

Etwa 1500 Windmühlen sind in Dänemark gegenwärtig bereits installiert, die Landschaft bekam ein neues Wahrzeichen. Die meisten dieser Windenergie-Konverter sind klein. Allerdings arbeiten sich die Produzenten schrittweise in immer größere Dimensionen vor. Eine durchschnittliche Anlage mit einem Anschaffungspreis von 103 000 Mark bringt zum Beispiel einen Verkaufserlös von etwa 14 000 Mark im Jahr, wenn der Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird. Zunehmend werden die Konverter nicht mehr einzeln, sondern zu Windmühlenparks gebündelt aufgestellt. Der gegenwärtig größte dieser Parks wurde im jütischen Ebeltoft errichtet. Auf einer 800 Meter langen, ins Meer gebauten Mole stehen 16 Mühlen, ein größerer Konverter wurde daneben noch an Land aufgestellt, Der Park erzeugt im Jahr eine Strommenge, die den Bedarf von 600 Einfamilienhäusern decken kann.