Zu Beginn dieses Jahres setzt sich der ehemalige Regierungssprecher Peter Boenisch hinter einen neuen Schreibtisch. Er wird in München Redaktionsdirektor des Burda-Verlages, der verschiedene illustrierte Periodika verlegt, unter anderem die Bunte.

Vor einem halben Jahr hatte Boenisch von heut auf morgen in Bonn seinen Hut genommen. Sein Berliner Finanzamt war ihm nämlich auf die Schliche gekommen. Er hatte diverse Einkünfte über Jahre hinweg verschwiegen. Eine halbe Million Mark mußte er schließlich an Steuern nachzahlen und eine Million als Strafe obendrein.

Einen "Betriebsunfall" nannte er dieses Vergehen kürzlich gegenüber einer Illustrierten und schien indigniert, daß sie diese Lappalie wieder hervorkramte. "Ich habe dieses nicht vorsätzlich gemacht", behauptete er frech und erklärte: "Aber daß ich mich deswegen nun auch noch beknirsche, das kommt nicht in Frage... Man hätte daraus nicht so ein Riesengeschrei machen müssen."

Dieser Auffassung muß wohl auch der Bundeskanzler gewesen sein. Denn als er im Juni seinen Sprecher verabschiedete, pries er vor aller Welt dessen noble Haltung. Wenn also sogar der Kanzler! Dann können die Brüder Burda den noblen Herren doch wohl getrost in ihre Dienste nehmen?

Peter Boenisch gibt an, Journalist zu sein. Die Gelder, die er dem Finanzamt verschwiegen hatte, waren Lohn eines Beratervertrages, den er mit der Autofirma Daimler-Benz geschlossen hatte. Zu dieser Zeit war er einer der Geschäftsführer des Springer-Verlages, kommentierte in Bild und war später Chefredakteur der Welt. Wie stand es da wohl mit seiner Unbefangenheit und Objektivität, als er Autos aus Stuttgart testete oder als er über das Tempolimit räsonierte?

Der Anschein spricht dagegen, daß er ein sauberer Journalist war. Doch was er tat, Händchen aufhalten, tut mancher Journalist. Einen Ehrenkodex für die schreibende Zunft gibt es nicht, keine festen Regeln; Journalist kann jeder spielen, er muß nicht einmal Subjekt, Prädikat und Objekt auseinanderhalten können. Journalismus und Werbung vermengen sich in gewissen Blättern mehr und mehr. Was von Journalisten hochtrabend als Dienst am Leser verbrämt wird, ist mitunter die schiere Werbung. Industrie und Handel helfen dem Journalisten bei dieser Art von Leserservice nur allzugern und überlassen ihm den Sessel, in den er sich flezt, wenn er ihn nur lobend in seinem Blatt den Lesern vorstellt. Korruption gibt es nicht nur in der Bauwirtschaft, und nicht jeder Journalist ist ein Charakter-Riese. Wohl auch Peter Boenisch nicht.

Allerdings, so schrieb Hanno Kühnert kürzlich in einem Kommentar über Korruption im Journalismus, hindert "keineswegs alle Journalisten ein dickes Bonbon im Mund, denselben aufzumachen. Die überwiegende Zahl scheint idealistisch gesonnen, mit immer wieder erneuerter Anstrengung zur Wahrheit. Die Bücher der Verlage und die Essen der Industrie können ihnen nichts anhaben. Sie verreißen auch einmal eine Reise, zu der sie eingeladen wurden".