Von Heinz-Günter Kemmer

Zuerst war der Vertrag in Venezuela umstritten, dann wurde er als Modell für die Zukunft gefeiert, und nun wird er auch noch ausgebaut. Die Rede ist von der ungewöhnlichen Verbindung zwischen dem deutschen Unternehmen Veba Oel und der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela.

Kern des deutsch-venezolanischen Vertrages von 1983 ist eine Beteiligung der Petroleos an den beiden Veba-Raffinerien in Gelsenkirchen, mit der das Recht verbunden ist, eigenes Rohöl einzuliefern. Rund fünf Millionen Tonnen jährlich waren es zunächst, seit Herbst ist die Menge auf eine Jahresrate von sieben Millionen Tonnen aufgestockt.

Mehr noch: Bisher gehörten zum Gemeinschaftsunternehmen Ruhr Oel, an der Veba Oel und Petroleos je zur Hälfte beteiligt sind, nur die Anlagen in Gelsenkirchen; nun bringt Veba Oel auch seine süddeutschen Verarbeitungskapazitäten ein. Dabei handelt es sich um folgende Unternehmen:

  • Die Erdölraffinerie Neustadt, an der eine Beteiligung von 50 Prozent besteht. Partner ist die Mobil Oil; die Kapazität beträgt sieben Millionen Tonnen.
  • Die Oberrheinischen Mineralölwerke in Karlsruhe; Veba Oel hält daran eine 33prozentige Beteiligung. Partner sind die Deutsche Texaco (42 Prozent) und die amerikanische Conoco, die in der Bundesrepublik das Jet-Tankstellennetz betreibt. Die Kapazität beträgt ebenfalls sieben Millionen Tonnen.
  • Das Olefinawerk Münchsmünster, das voll zu Veba Oel gehört.

Damit die Parität zwischen Veba Oel und Petroleos gewahrt bleibt, muß der ausländische Partner erst einmal in die eigene Kasse greifen. Zudem bedarf die Neuregelung, die bis Anfang Januar unter Dach und Fach sein soll, auch noch der Zustimmung der venezolanischen Regierung, weil das Ministerium für Bergbau und Energie die Oberaufsicht über das Staatsunternehmen führt. Aber das sollte nach den Lobliedern, die venezolanische Politiker schon auf das Abkommen gesungen haben, wirklich nur eine Formsache sein.

Das war nicht immer so. Als der Vertrag 1983 ausgehandelt wurde, fand er keineswegs in allen politischen Lagern Zustimmung. Damals regierte in Venezuela die christdemokratische Copei, die den Vertrag vorantrieb. Die oppositionelle Accion Democratica, die im venezolanischen Parteienspektrum der SPD vergleichbar ist, hatte hingegen Bedenken.