Mit Recht ist viel Abträgliches und viel Rühmendes zu Preußen gesagt worden. Wechselnd war es über die Jahrhunderte hinweg beides; Maß und Maßlosigkeit, stumpfsinniger Kasernenhofdrill und höchste geistige Konzentration. Nun ist Preußen längst tot. Aber vergessen ist es noch nicht. Dies machte in den Weihnachtstagen die höchst ungewöhnliche Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23. 12. 85, des Gedenkens für den am 7. Dezember verstorbenen Victor von Schweinitz, deutlich. Da heißt es: „Durch Klugheit frei, durch Bildung unabhängig, durch Maßstäbe streng, durch Humor offen, ein Europäer aus Tradition und Überzeugung. Ein Offizier mit innerem Gardemaß. Vorbild an der Front. Er übersah die Gefahr nicht, er machte sie sich Untertan. Wenn sie kam, ging er nach vorn. Er diente denen nicht, die unser Vaterland ins Dunkel stürzten. Er zeigte – Anstifter zur Wachheit der Gewissen – Preußens Maße auch in der Zeit der Schande. Er blieb der gleiche, bis er nun abgerufen wurde. Ein Freund und Kamerad, ein Preuße, auf den wir stolz bleiben.“ 26 Unterschriften trägt diese Aussage, darunter die von Wolff Baudissin, Philipp Bismarck, Axel Bussche, Ludwig Hammerstein, Udo Klausa, Hermann Priebe, Richard Weizsäcker.

Sie alle gehörten dem IR 9 an, einem Regiment, das die höchsten Verluste an jenen Offizieren hatte, die während des Zweiten Weltkrieges nicht auf den Schlachtfeldern fremder Länder, sondern im Kampf gegen den eigenen Tyrannen fielen. dff