Immunologen wollen ein archaisches Abwehrsystem unseres Körpers gezielt stärken

Von Annelies Furtmayr-Schuh

Die Hoffnung ist begründet, nur die Schlagzeilen vom "Durchbruch" sind voreilig: Mit dem wachsenden Verständnis, wie unser Körper Krankheitserreger, Krebszellen und Fremdstoffe normalerweise erfolgreich bekämpft, gewinnen die forschenden Mediziner auch Einblick, wie sie Patienten mit Krebs oder Infektionskrankheiten gezielter zur Hilfe kommen können.

Aufsehen erregte Mitte Dezember die Nachricht aus dem amerikanischen Nationalen Krebsinstitut, wonach bei elf von 25 schwerkranken Krebspatienten nach einer speziellen, experimentellen Behandlung mit der körpereigenen Immunsubstanz Interleukin-2 bemerkenswerte Verbesserungen eingetreten waren (siehe ZEIT Nr. 52: "Dünner ,Durchbrach‘"). Erst nach der in Amerika über Gebühr gefeierten frohen Botschaft wurde bekannt, daß ein Patient des Teams um den Chirurgen Steven Rosenberg an den Nebenwirkungen der neuartigen Behandlung gestorben war.

Dennoch: Ein vorsichtiger Optimismus ist seit einer Immunologen-Fachtagung im oberbayerischen Elmau zu spüren. "Revolutionieren die Signalsubstanzen des Immunsystems die Medizin?" .fragten wir damals auf dieser Seite (Nr. 5/1985). Ein Jahr später kann zumindest eine Trendmeldung als Antwort gegeben werden: Die Signalsubstanzen sind auf dem besten Weg dazu.

Fressen und gefressen werden

Signalsubstanzen sind die Sprache, mit der sich die Abwehrzellen untereinander verständigen. Über sie kommuniziert das Immunsystem auch mit den Zellen anderer Organe. So "reden" die Zellen des Immunsystems bei der Wundheilung mit, aber auch bei der Entstehung sehr vieler Krankheiten, etwa Arteriosklerose, Rheuma und Krebs. Da sich vielleicht alle diese Botenstoffe einmal biotechnisch herstellen lassen, hegen die Wissenschaftler begründete Hoffnung, in Zukunft durch maßgeschneiderte Signalsubstanz-Moleküle das Immungeschehen zum Vorteil der Kranken beeinflussen zu können.