Am Schluß sieht alles klar und übersichtlich aus. Aber der Weg ist weit von der ersten Luftaufnahme bis zur fertigen Straßenkarte. Die älteste erhaltene topographische Darstellung zeigt das nördliche Mesopotamien. Sie wurde um 2400 bis 2200 v. Chr. in ein Tonplättchen geritzt. Die meisten Karten unserer Tage lassen sich einfach falten (es gibt jedoch auch komplizierte Patentfaltungen) und werden hunderttausendfach im Rotationsflachdruck hergestellt.

Straßenkarten sind wohl am weitesten verbreitet. Sie zeigen einen Ausschnitt der Erdoberfläche aus der Vogelperspektive. So ist denn auch aller Anfang einer Karte das Luftbild; aufgenommen bei klarem Wetter aus einem langsam fliegenden Flugzeug mit einer Spezialkamera, die Stereobilder liefert.

Straßen, die durch einen Wald verlaufen, sind freilich auch aus 2500 Meter Höhe nicht zu erkennen. Deshalb arbeitet, mit Jeep, Filzstift und großformatigem Schwarzweißabzug vom Luftbild gewappnet, der Topograph sodann im Gelände. Er verifiziert das Photo, ergänzt und radiert, wo nötig.

Zum eigentlichen Zeichnen wird ein Stereo-Bildpaar der Luftaufnahmen (zwei fast identische Aufnahmen, die sich nur durch einen gering verschiedenen Aufnahmewinkel unterscheiden) in den Stereo-Autographen, das Zeichengerät, eingesetzt. Die photograpnierte Landschaft erscheint dreidimensional. Der Topograph fährt die Straßen, Häuser und Erhebungen mit einem Zeiger ab. Mechanisch werden dabei seine Bewegungen auf einen Griffel übertragen, der die Linien in eine beschichtete Platte ritzt. Von ihr lassen sich Druckvorlagen herstellen. Solche exakt vermessenen und periodisch auf den neuesten Stand gebrachten Karten werden von den Behörden herausgegeben.

Für die Kartenverlage sind sie topographische Grundlage. Je nach Art der Karte, ob es nun eine Schulkarte, eine thematische oder eine Straßenkarte werden soll, muß ergänzt oder reduziert werden. Der Topograph setzt niemals alles auf eine Karte, sonst würde sie unleserlich. Überspitzt bedeutet dies: Für eine Karte der klimatischen Verhältnisse ist es überflüssig, zu zeigen, wie die Autobahnen verlaufen. Eine Straßenkarte zeigt die Straßen zur Verdeutlichung breiter als maßstabsgetreu, und ein kleiner Maßstab zwingt zum Pauschalieren, so beim Verlauf von Serpentinen.

Die gedruckte, fertige Landkarte ist Summe mehrerer (bis zu dreißig) übereinandergelegter Folien: eine schwarze für die Schrift, eine dunkelblaue für Flüsse, hellblau für Seen, rotbraun für die Höhenkurven – jede Information wird einzeln vermerkt. Dadurch Kann eine Karte relativ einfach korrigiert und muß nicht insgesamt neu gezeichnet werden, zum Beispiel wenn ein Autobahnanschlußstück fertiggestellt oder eine neue Brücke errichtet ist. In diesem Fall wird lediglich die Folie mit den Straßen ergänzt.

Aufwendiger war da die Veränderung des Kartenmaterials, als Japan 1983 erfahren mußte, daß seine Inseln rund 470 Meter näher am Festland lagen, als bis dato verzeichnet war. Auch Australien ist dem asiatischen Festland gut zehn Meter näher. Gemessen am Erdumfang ist das Haarspalterei. Doch geht es um den Abbau von Rohstoffen in Hoheitsgewässern, kann jeder Meter Kapital bringen.