Fast 500 Touristik-Fachkräfte, darunter über 400 Kundenberater des Deutschen Reisebüros (DER), nahmen teil an einer Fortbildungsveranstaltung in Australien. Die kritisierte Ortswahl am anderen Ende der Welt erwies sich als richtig: Das exotische Ziel erhöhte das Interesse der Teilnehmer. Alle Beteiligten sind zufrieden.

Rund 25 000 Mark, Reisespesen nicht eingerechnet, kostete es die Sponsoren (Länder, Transportunternehmen und Touristikfirmen), sich vor über 400 Ferienverkäufern der größten deutschen Reisebürokette präsentieren zu können. Zuviel Aufwand? Die beteiligten Unternehmen, jetzt zurück von der "DER-Reiseakademie" in Sydney, sagen nein. Selbst das Bundesland Hessen, das bis auf den Fünften Kontinent zog, um seine Urlaubsofferten zu präsentieren, ist des Lobes voll: "Wenn ich über 400 Reisebüros besuchen müßte", erläuterte Hessen-Touristikchef Hannsgünter Hannwacker, "brauchte ich mindestens ein Vierteljahr Zeit. Hier ist das Geld gut angelegt."

Das berichteten auch die anderen Sponsoren dieser im Touristikgewerbe einzigartigen jährlichen Fortbildungsveranstaltung. Die Wahl Australiens – selbst für Reisebüroleute ein Traumziel – als Seminarort bewirkte eine besondere Aufmerksamkeit der "Akademie-Zöglinge", eine Aufmerksamkeit, die während der gesamten Kursuswoche erhalten werden konnte. "Die sachlich-trockenen Informationen reichen wir nach, wenn die Teilnehmer zu Hause sind. Dann sind sie motiviert für unsere Verkaufshilfen", erläuterte ein Experte aus dem Kreis der Sponsoren.

Besonders erfolgreich war die Deutsche Bundesbahn, die sich mit kessen Slogans ("Mit der Bahn nach Sydney") und flottem Info-Programm vom Image der alten, grauen Bahn lösen konnte. Die "neue Bahn" ließ sich von einer Werbeagentur eine Hotelsuite in einen palmenbestandenen Sandstrand ummodeln; dröhnende Beach-Boys-Musik empfing dort die Kursusteilnehmer. Neuseeland hatte seine Suite in eine Glühwürmchenhöhle umgebaut und zeigte dreidimensionale Dias. Österreich richtete ein Spielkasino ein, in dem sich die "Akademisten" gegenseitig den Black Jack zuschoben. Der Charterflieger Condor ließ seine Gäste spielerisch durch die deutsche Ferienwelt jetten; Startort war Sydney, was die Condor-Mannschaft zu zahlreichen Dementis über geplante Australienflüge zwang. Baden-Badens Kurverwalter erwiesen sich als Mimentalente, die als römisches Kaiserpaar die Vorzüge einer Kur an der Oos diskutierten. Die Iren baten zum Whiskey-Test ("nur riechen, nicht trinken") und zum Limerick-Wettbewerb. Dem Kurs vorangegangen war ein sechzig Seiten langer Lehrbrief, in dem die Teilnehmer knapp 200 Info-Fragen zum Reisemarkt beantworten mußten.

Zu den größten Finanziers, aber auch zu den Hauptnutznießern der Veranstaltung zählt das Gastgeberland Australien. Erfahrungsgemäß erzielen die Gastländer der "DER-Reiseakademien" in den Folgeiahren erhebliche Besucherzuwäcnse. Der Kontinent rings um den Ayer’s Rock kann einen Zuwachs vertragen, denn die Besucherzahl aus Deutschland stagnierte in den letzten Jahren bei 35 000; 1985 zogen die Zahlen allerdings wieder an. Hanspeter Rohrer, Direktor der Australian Tourist Commission in Deutschland, erwartet 15 Prozent Plus im abgelaufenen Jahr: "Und bis zum Jahr 1988, zu Australiens 200-Jahr-Feier, wollen wir 60 000 deutsche Besucher zählen. Das sind realistische Erwartungen."

Klaus Viedebantt